Lebenszykluskosten von Hochschulliegenschaften: Gebäudebezogene und nutzungsinduzierte Bau- und Bewirtschaftungskosten
Situation
Die deutschen Hochschulen befinden sich zunehmend in einem nationalen und internationalen
Wettbewerb, bei welchem gerade die hochschulische Infrastruktur ein Standortfaktor für
Studierende und international anerkanntes Wissenschaftspersonal ist. Während die
internationale Konkurrenzfähigkeit mit (bundes–)politischen Maßnahmen wie der
Exzellenzinitiative erreicht werden soll, ist im Bereich der baulichen Infrastruktur im
Zuge der Föderalismusreform den Bundesländern die Verantwortung für den
Hochschulbau übertragen worden. Die Abschaffung des Hochschulbauförderungsgesetzes
(HBFG) zum Januar 2007 und die zunehmende Autonomisierung der Hochschulen erweitert damit
einerseits deren Eigenverantwortung, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf die
Hochschulen, mit den limitierten Ressourcen wirtschaftlich und effizient umzugehen.
Trotz aller externen und internen Veränderungen, bleiben Lehre und Forschung
Kernaufgabe von Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Ihre Qualität und
Quantität wird u. a. von der Güte der Unterbringung und des Gebäudemanagements
der Liegenschaften bestimmt. Gerade die Forschung unterliegt im Zeitverlauf einem
ständigen Veränderungsprozess, bei dem thematische und technische Neuerungen oft
bauliche Maßnahmen nach sich ziehen. Ebenso gilt dies für Neuberufungen, die in der
Regel Neu– und/oder Umbaumaßnahmen implizieren.
Problem
Unter dem zunehmenden Kostendruck tritt verstärkt die Optimierung des
Ressourceneinsatzes sowie die Erhöhung der Flexibilität bei der Anpassung der
Gebäude an veränderte Nutzungsbedingungen in den Fokus. Belastbare
Wirtschaftlichkeitsberechnungen zur Beurteilung verschiedener Unterbringungsvarianten und
damit die Grundlage effizienter und effektiver Investitionsentscheidungen sind aufgrund
unzureichender Kostendaten für die Immobilien nur sehr eingeschränkt möglich.
In Ermangelung einer verursachungs– und periodengerechten Kostenrechnung existieren
kaum belastbare gebäude– oder gar nutzerbezogene Daten für Bau– und
Bewirtschaftungskosten. Oft können nur für den gesamten Gebäudebestand
pauschale Kostenkennwerte ermittelt werden. Durchgeführte
Benchmarking–Untersuchungen an Hochschulen weisen auch aufgrund der sehr heterogenen
Methodik in der Datenerhebung ein hohes Aggregationsniveau auf. Gebäude– oder
nutzungsbezogene Kostenaussagen im Sinne einer Vollkostenrechnung existieren kaum. Neben
einer umfassenden Lebenszykluskostenbetrachtung fehlen detaillierte Kostendaten, um mit
diesen auch alternative Beschaffungsvarianten kalkulieren oder bewerten zu können.
Ziel
Im Mittelpunkt des Projektes steht die Ermittlung von gebäudebezogenen und nutzungsinduzierten Kostendaten, differenziert nach Gebäude– und Nutzertyp. Sie soll Erkenntnisse über mittel– bis langfristige Kostenentwicklungen liefern und die gegenwärtige Diskussion um die Optimierung der Bereitstellungs– und Bewirtschaftungskosten an den Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen ergänzen. Mit Blick auf alternative Beschaffungsvarianten wie PPP sollen die Projektergebnisse die Bepreisung/Kalkulation von Kostenrisiken in Zukunft erleichtern. Es soll daher die beschriebene Lücke in der Dokumentation von Bau– und Bewirtschaftungskosten von Immobilien der Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen verringert und anschließend Kostenkennwerte für forschungs– und lehrbezogene Gebäudetypen sowie Nutzergruppen generiert werden.
Lösungsansatz
Ausgangsbasis ist die Erweiterung des im LEMA–Projekt (näheres zum Projekt LEbenszyklusorientiertes MAnagement von Hochschulliegenschaften) entwickelten Datenstrukturmodells zur Erfassung der Bau– und Betriebskosten sowie anschließend die Entwicklung von Kennzahlen in Abstimmung mit den am Projekt beteiligten 12 Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen. Das Projektkonzept basiert auf dem Lebenszyklusansatz. Die Erfassung von Bau– und Bewirtschaftungskosten erfolgt nach Gebäude– sowie nach Nutzertyp. Methodisch ist neben der Festlegung und Abstimmung der Erhebungsstruktur eine quantitative Aufnahme, Systematisierung und Auswertung der bei den teilnehmenden Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen vorhandenen Kostendaten im Bereich des laufenden Betriebes und des Bauunterhalts für die unterschiedlichen Gebäudetypen und Nutzertypen vorgesehen .
