Hochschulnachricht
OECD-Bericht: Zu wenig Absolventen und Hochqualifizierte in Deutschland
11.9.2008
Die OECD hat am 9. September in Berlin die neue Ausgabe des OECD-Berichts Bildung auf einen Blick vorgestellt. Daraus geht hervor, dass der Anteil der Studienanfänger wie auch der Absolventen je Jahrgang in den meisten OECD-Ländern in den vergangen Jahren schneller gewachsen ist als in Deutschland. Der Bedarf an Hochqualifizierten in Deutschland ist kaum zu decken.
Die diesjährige Ausgabe der Studie Bildung auf einen Blick der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass das deutsche Bildungssystem im Vergleich zum OECD-Mittel wenig Absolventinnen und Absolventen hervorbringt. So ist der Anteil der Hoch- und Fachhochschulabsolventen je Jahrgang in Deutschland von 2000 bis 2006 von 18 auf 21 Prozent gestiegen. Im OECD-Schnitt wuchs der Graduiertenanteil je Jahrgang im gleichen Zeitraum dagegen von 28 auf 37 Prozent. Die Entwicklung der Studienanfängerzahlen lässt erwarten, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren noch verstärkt. Im internationalen Vergleich kann die Entwicklung in Deutschland nicht befriedigen. Deutschland verliert bei der Ausbildung von Hochqualifizierten trotz einiger positiver Schritte weiter an Boden, sagte die für Bildung zuständige OECD-Direktorin Barbara Ischinger bei der Vorstellung der Studie.
Bedarf an Hochqualifizierten kaum zu decken
Obwohl in kaum einem anderen OECD-Land ein größerer Anteil der Studierenden einen Abschluss in naturwissenschaftlich-technischen Fächern erwirbt, sind aufgrund der insgesamt geringen Absolventenquote in Deutschland Hochqualifizierte in diesem Fächern unter den jungen Erwerbstätigen deutlich unterrepräsentiert.
Zwei Strategien haben sich laut OECD bewährt, um den Anteil an Hochqualifizierten zu erhöhen. Dazu gehört zum einen die Investition von öffentlichen Mitteln in großem Umfang in die tertiäre Ausbildung, wie in den nordischen Ländern. Und dies sowohl in die Bildungsinstitutionen wie auch in die direkte finanzielle Förderung der Studierenden. Auf der anderen Seite haben zum Beispiel andere Länder wie die USA ihre tertiäre Ausbildung ausgeweitet, indem sie die Kosten in Form von Studiengebühren den Studierenden und ihren Familien aufgeladen haben. Gleichzeitig wurde Studierenden mit weniger privilegiertem Hintergrund das Studium über Kredite oder Stipendien ermöglicht.
In vielen europäischen Ländern und auch in Deutschland wurden dagegen die notwenigen Mittel weder durch öffentliche Investitionen noch durch kostendeckende Studiengebühren bereitgestellt. Weder die öffentlichen noch die privaten Mittel zu erhöhen, darf angesichts des zusätzlichen Bedarfs an Hochqualifizierten nicht länger die Alternative sein, so Ischinger.
HRK: Zahlen besorgniserregend
Für die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, ist der OECD-Bericht Grund zur Sorge. Besonders besorgniserregend sei, dass Deutschland bei den Absolventenzahlen der Ingenieurwissenschaften weit unter dem OECD-Durchschnitt liege.
Positiv beurteilt Wintermantel, dass der Anteil der Studienabbrecher zurückginge und Deutschland dabei besser abschneide als der Durchschnitt der OECD-Länder. Dennoch mahnte sie: Wir sind mit unseren Anstrengungen längst noch nicht am Ziel. Besonderes Augenmerk müsse daher dem Hochschulpakt II gelten, um eine vernünftige Ausfinanzierung des Hochschulsystems zu gewährleisten.
Die jährlich erscheinende Veröffentlichung der OECD Education at a Glance/Bildung auf einen Blick beleuchtet bildungspolitische Fragen aus einer internationalen Perspektive. Die Ergebnisse sollen eine Orientierungshilfe liefern, um die Entwicklung von Bildungssystemen zu bewerten und Reformstrategien weiterzuentwickeln. (ol)
OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick“
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