Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtNationales Stipendiensystem – Konflikt um Kriterien

5.11.2008

Bund und Länder prüfen den Aufbau eines nationalen Stipendiensystems für Studierende. Die Vergabe der Stipendien soll allein nach Leistung – und nicht wie die BaföG-Förderung nach sozialen Kriterien erfolgen. Quer durch die Länder gibt es allerdings starke Vorbehalte.

Wenige Tage nach dem nationalen Bildungsgipfel in Dresden beschlossen die Wissenschaftsministerinnen und -minister von Bund und Ländern am 27. Oktober auf ihrem „kleinen“ Bildungsgipfel in Bonn die Fortsetzung einer seit Monaten bestehenden Arbeitsgruppe, die sich mit dem Thema Stipendiensystem befasst. Die Arbeitsgruppe unter der Leitung von Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart soll nun vor allem die Finanzierungsmöglichkeiten prüfen.

Gegen Pinkwarts Stipendienmodell gibt es allerdings noch quer durch die Länder starke Vorbehalte – vor allem wegen der Kosten. Die Umsetzung seines Vorhabens, künftig zehn Prozent aller Studierenden ein Leistungsstipendium von monatlich 300 Euro unabhängig vom Einkommen der Eltern zu zahlen, würde nach internen Berechnungen 720 Millionen Euro pro Jahr kosten. Die Hälfte des Geldes soll aus der Wirtschaft oder von privaten Sponsoren eingeworben werden. Bis 2012 möchte er den Anteil der Studierenden, die ein Stipendium erhalten, von derzeit zwei auf zehn Prozent erhöhen. Der Minister kündigte an, „auf jeden Fall“ bereits zum nächsten Wintersemester in Nordrhein-Westfalen damit zu beginnen.

Schavan: „Der Bund ist bereit“
Bundesbildungsministerin Annette Schavan sagte, es sei unbestritten, dass ein breiteres Stipendienangebot nötig sei. „Der Bund ist bereit.“ Bisher würden Stipendien fast ausschließlich vom Bund aufgebracht. Zentrale Frage sein, wie die Wirtschaft dafür gewonnen werden könne, die Hälfte des Anteils zu tragen.

Sachsen: Dritte Säule im System wird nicht gebraucht
Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange sprach sich gegen ein nationales Fördersystem aus, das Studierende ausschließlich nach Leistung fördert. Wichtiger sei es, insgesamt mehr junge Menschen zum Studium zu bewegen. Ihr Land sei daher eher bereit, etwa die Studienstiftung des deutschen Volkes für die besten Abiturientinnen und Abiturienten sowie das BAföG für Bedürftige besser auszustatten. Eine „dritte Säule im System“ werde aber nicht gebraucht.

Berlin: Stipendien für Migranten als Lehrer
Berlins Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner plädierte für eine gezieltere Förderung durch Stipendien, etwa um qualifizierte Migranten dazu zu motivieren, den Lehrerberuf zu ergreifen.

Ahnen: Studiengebühren-Länder wollen Stipendien
Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen sagte, es sei auffällig, dass die Rufe nach einem nationalen Stipendiensystem ausgerechnet aus den Bundesländern kämen, die Studiengebühren verlangten.

Sachsen Anhalt: Vorhaben im Osten kaum umsetzbar
Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Jan-Hendrik Olbertz sprach sich grundsätzlich für Leistungsstipendien aus, verwies aber zugleich auf unklare Finanzfragen. Allein für sein kleines Bundesland würde er dafür 17 Millionen Euro benötigen. Stange sagte der Leipziger Volkszeitung vom 29. Oktober, weil die Unternehmen bei dem Vorhaben die Hälfte der Kosten tragen sollten, sei dies „ein exklusives Sytem für wirtschaftsstarke Länder“. Im Osten sei dies kaum umsetzbar. (ol)

Quelle: dpa