Hochschulnachricht
Pinkwart: Kindergeld soll direkt an die Studierenden gezahlt werden
5.1.2010
In einem Interview mit der Financial Times Deutschland (FTD) forderte der nordrhein-westfälische Innovationsminister und stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Andreas Pinkwart in der vergangenen Woche, das Kindergeld direkt an die Studierenden auszuzahlen und nicht an ihre Eltern. Damit solle erreicht werden, dass die Studierenden das Studium nicht mehr durch Nebenjobs finanzieren müssten.
„Der Staat fördert Familien über Kindergeld und Kinderfreibetrag mit großen Summen“, so Pinkwart im FTD-Interview. „Wenn wir es schaffen, dieses Geld den Studierenden direkt auszuzahlen, wäre das ein wichtiger Grundbaustein für die Studienfinanzierung.“ Ziel sei es, dass die Studierenden nicht mehr neben dem Studium jobben müssten, um ihre Ausbildung und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. „Nebenjobs sind häufig der falsche Weg für die Studienfinanzierung, denn sie schaden dem Studienerfolg und sind auch ökonomisch eine falsche Rechnung“, erklärte Pinkwart in der FTD. „Die Studierenden sollen sich voll auf ihr Studium konzentrieren können. Das geht bei Bachelor und Master häufig gar nicht mehr anders.“
Gegenwärtig bezieht etwa jeder fünfte Studierende BAföG, weitere zwei Prozent erhalten ein Stipendium. Alle anderen Studierenden sind zur Finanzierung des Studiums auf die Unterstützung ihrer Eltern angewiesen oder arbeiten nebenher. „Diese jungen Menschen haben oft Schwierigkeiten, ihr Studium zu finanzieren“, sagte Pinkwart. Zugleich räumte der FDP-Politiker ein, dass es sich bei der vorgeschlagenen Neuregelung um eine rechtlich „sehr komplizierte Materie“ handele. „Aber wir sollten sie angehen“, fügte Pinkwart hinzu. Eine direkte Auszahlung des Kindergeldes an die Studierenden käme einer umfassenden Umgestaltung der Familienförderung in Deutschland gleich und hätte weitreichende Auswirkungen u. a. auf das Einkommensteuer- und Unterhaltsrecht.
Um die Einkommenssituation der Studierenden zu verbessern, sollen laut Pinkwart zunächst die Erhöhung des BAföG und die Einführung eines nationalen Stipendiensystems in die Wege geleitet werden. Mit der Anhebung von Kindergeld und Kinderfreibetrag würden weitere Voraussetzungen geschaffen, um den Geldsorgen der Studierenden zu begegnen. An diese appellierte Pinkwart im FTD-Interview, zur Finanzierung des Studiums noch stärker als bisher auf Studienkredite zu setzen. „Da ist die Scheu in Deutschland noch viel zu groß“, so Pinkwart.
Anfang Dezember hatte der FDP-Politiker als Reaktion auf die Studentenproteste ein vier Milliarden Euro schweres Hochschulsonderprogramm zur Verbesserung der Betreuungsrelationen in der Lehre gefordert. Mit seinem aktuellen Vorschlag orientiert sich Pinkwart am skandinavischen Modell der Studienfinanzierung: Dort unterstützt der Staat die Studierenden direkt, die Eltern erhalten kein Kindergeld. (tab)
Quelle: FTD
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