Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtSchlechte Jobchancen führen zu Studierendenhoch an niederländischen Universitäten

22.1.2010

In den Niederlanden haben sich in diesem Jahr doppelt so viele Studienanfänger/innen an den Hochschulen eingeschrieben wie erwartet. Auch die Zahl der Masterstudierenden ist deutlich angestiegen. Das niederländische Wissenschaftsministerium vermutet als Ursache hinter dieser Entwicklung die schwierige Lage auf dem Arbeitsmarkt infolge der Wirtschafts- und Finanzkrise.

An den niederländischen Fachhochschulen liegt die Zahl der Immatrikulationen um 5 % höher als im vergangenen Jahr, an den Universitäten stieg sie sogar um 6,1 %. Der Zuwachs an Studienanfänger/inne/n ist damit an den Universitäten dreimal so hoch wie im Vorjahr, an den Fachhochschulen sogar viermal so hoch. Erwartet worden war lediglich die Hälfte des nun eingetretenen Anstiegs.

Das niederländische Wissenschaftsministerium hat angesichts dieser Entwicklung eine Studie in Auftrag gegeben, die u. a. auch Ähnlichkeiten und Unterschiede zu Trends in den anderen europäischen Ländern identifizieren soll. Die Studie zeigte, dass ein ähnlich hoher Anstieg in Belgien im Jahr 2008 durch die schlechte Arbeitsmarksituation bedingt war. Einige Hochschulen im französischsprachigen Teil Belgiens hatten als Reaktion auf den starken Anstieg der Studienanfängerzahlen damals Studienbewerber aus finanziellen Gründen abgewiesen und damit heftige Proteste ausgelöst. Viele Dozenten beklagten eine Verschlechterung der Lehrbedingungen, da die belgischen Hochschulen seit der Reform des Hochschulsystems nicht mehr nach der Zahl der Studienanfänger/innen finanziert werden, sondern nach der Zahl der Absolvent/inn/en. Für Flandern hatte Bildungsminister Pascal Smet zudem im September vergangenen Jahres angekündigt, dass die Hochschulen in den kommenden zwei Jahren keinerlei zusätzliche Mittel erhalten würden.

Einen zweiten Trend identifizierte die niederländische Studie: Immer mehr Studierende nehmen nach dem Bachelorabschluss ein Masterstudium auf, oft auch in Fächern, die mit ihrem bisherigen Studium nicht verwandt sind. Das gleiche Phänomen wurde in Frankreich im Jahr 2008 beobachtet. Damals hatten sich die Aussichten auf dem französischen Arbeitsmarkt für Hochschulabsolvent/inn/en dramatisch verschlechtert. Die Zahl der freien Stellen für Akademiker/innen sank um 66 % im Vergleich zum Vorjahr. Viele französische Studierende folgerten für sich daraus, dass ein Abschluss allein keine Garantie mehr für einen guten Job sei, und strebten einen Masterabschluss an. (tab)

Quelle: ESNA, www.esna-office.net/service/