Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtNeue Formen der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft gesucht

23.8.2011

Eine Förderinitiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) will neue Partnerschaften zwischen Hochschulen und Unternehmen anstoßen. So sollen Forschungsergebnisse schneller in innovative Produkte münden. Damit die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft klappt, hat der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft einen Code of Conduct für Stiftungsprofessuren ausgearbeitet.

Innovationen voranbringen – das ist das Ziel der neuen Förderinitiative „Forschungscampus – öffentlich-private Partnerschaften für Innovationen“, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Hightech-Strategie der Bundesregierung lanciert hat. Hierzu sollen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen mittel- bis langfristige Partnerschaften eingehen und so einen „neuen Typ von Forschungs- und Innovationszentren in Deutschland“ schaffen, wie es in einer Mitteilung des Ministeriums heißt.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan erhofft sich ein besseres Zusammenspiel von Wissenschaft und Wirtschaft: „Das ist ja das Ergebnis jeder Analyse über das Innovationssystem in Deutschland, dass es heißt, es gibt die Universitäten, die außeruniversitären Forschungseinrichtungen, viele innovative Unternehmen mit ihren Entwicklungsabteilungen, aber das Zusammenspiel ist noch nicht so, wie es sein sollte“, sagte Schavan im Deutschlandradio.

Die Forschungscampi neuen Typs bringen für sie mehrere Vorteile mit sich: „Das hilft der Beschleunigung in der Wertschöpfungskette, das hilft, Kapazitäten zusammenzubringen, und ist attraktiv für beide Akteure.“ Die Unternehmen könnten sich den Zugang zu neuesten Forschungsergebnissen sichern und ihre Innovationskraft erhöhen. Die Wissenschaft könne von den Kapazitäten in den Entwicklungsabteilungen der Unternehmen profitieren. Die neuen Kooperationsmodelle beschreibt die Ministerin daher als ein „Geben und Nehmen“ zwischen gleichberechtigten Partnern. In einer schriftlichen Vereinbarung sollen die Regeln der Zusammenarbeit festgelegt werden.

Gefördert werden strategische Partnerschaften in der anwendungsorientierten Grundlagenforschung. Es gibt keine thematischen Vorgaben. Bewerben können sich neu geplante oder im Aufbau befindliche öffentlich-privatwirtschaftliche Zusammenschlüsse. Von einer Jury werden zehn Modellvorhaben ausgewählt, die in mehreren Phasen bis zu 15 Jahre lang gefördert werden können. Für jeden Forschungscampus ist eine Fördersumme von einer bis zwei Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Begleitend soll ein Erfahrungsaustausch über den Nutzen der neuen Partnerschaften stattfinden. Bewerbungsschluss ist der 15. Februar 2012.

Kooperationen von Wissenschaft und Wirtschaft werden immer wieder kontrovers diskutiert. Zuletzt sorgte ein von der Deutschen Bank gefördertes Institut der Technischen Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin für Schlagzeilen. Klare Regeln soll es daher künftig für Stiftungsprofessuren geben, die eine wichtige Form der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft darstellen. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der selbst seit Mitte der 1980er Jahre mehrere hundert privat finanzierte Professuren eingerichtet hat, hat einen entsprechenden Code of Conduct ausgearbeitet.

Darin ist festgehalten, dass die Hochschulen frei in der Entscheidung über die Errichtung einer Stiftungsprofessur sind. Hochschulen und Geldgeber verständigen sich einvernehmlich über das zu bearbeitende Forschungsfeld. Der Förderer nimmt später keinen Einfluss auf Lehre und Forschung und die Verwertung der Forschungsergebnisse. So sollen die Freiheit von Lehre und Forschung und die Unabhängigkeit der Hochschule von wirtschaftlichen Interessen gewährleistet werden. Für die Öffentlichkeit werden Zweck und Inhalt der Förderung transparent und nachvollziehbar dargelegt. Beide Partner verpflichten sich, jederzeit Rechenschaft über ihr Tun abzulegen, und berichten umfassend und vollständig über den Verlauf der Förderung. In Zweifelsfällen sollen externe Experten hinzugezogen werden.

Nach Angaben des Stifterverbands gibt es derzeit in Deutschland rund 1.000 Stiftungsprofessuren. Dies entspricht einem Anteil von etwa 2,5 % an allen rund 40.000 Professuren. Der Generalsekretär des Stifterverbands, Andreas Schlüter, betont die Vorteile einer derartigen Zusammenarbeit für die Hochschulen: „Die private Finanzierung ermöglicht es den Hochschulen erst, sich neue Forschungsgebiete zu erschließen“, so Schlüter. Es sei aber klar, dass Stiftungsprofessuren kein Instrument für Auftragsforschung seien. „Andere Formen der Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft folgen anderen Regeln. Die Kooperationspartner sind gut beraten, die unterschiedlichen Formen der Zusammenarbeit separat zu regeln“, lautet seine Empfehlung. (tab)

Quellen: BMBF, dradio, Stifterverband

Weitere Informationen zur Förderinitiative des BMBF
Code of Conduct des Stifterverbands für Stiftungsprofessuren