Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtWestdeutsche Studieninteressierte zieht es verstärkt nach Ostdeutschland

20.4.2012

Der Anteil der Studienanfänger(innen) aus Westdeutschland ist in allen fünf ostdeutschen Flächenländern in den letzten Jahren angestiegen. Besonders deutlich war dies in Sachsen und Sachsen-Anhalt der Fall. Brandenburg erreicht den höchsten Anteil westdeutscher Studienanfänger(innen). Verbessert hat sich auch das Ansehen der ostdeutschen Hochschulen bei den Studienbewerber(inne)n aus Westdeutschland: Fast die Hälfte schätzt die Studienangebote als attraktiv ein; etwa jede(r) Achte möchte gerne in Ostdeutschland studieren.

Diese Ergebnisse präsentierte die Hochschulinitiative Neue Bundesländer Anfang der Woche auf einer Tagung in Berlin, wo sie fünf Jahre nach ihrer Gründung eine Zwischenbilanz ihrer Aktivitäten zog. „Studieren in Fernost – das war 2008 eine ironische Überspitzung der Haltung, die viele westdeutsche Abiturienten gegenüber einem Studium in Ostdeutschland hatten und die auch heute noch zu spüren ist. Der Osten kam manchen weiter entfernt vor als Asien. Gegen solche Vorurteile wollte die Hochschulinitiative angehen. Und das ist uns, gemeinsam mit den ostdeutschen Hochschulen, auch gelungen.“ Mit diesen Worten skizzierte die Ministerin für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt, Birgitta Wolff, Zielsetzung und Herausforderungen der Initiative, die von ihrem Ministerium und den Wissenschaftsministerien in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen getragen wird.

Eine Befragung des Instituts für Marktforschung in Leipzig zeigt, dass der Anteil der westdeutschen Studieninteressierten, die die Studienangebote der ostdeutschen Hochschulen als sehr attraktiv oder attraktiv einschätzen, zwischen 2009 und 2011 von 35 % auf 47 % angestiegen ist. Im gleichen Zeitraum erhöhte sich der Anteil derjenigen westdeutschen Studienbewerber(innen), die gerne in Ostdeutschland studieren möchten, von 5 % auf 12 %. „Die Studienbedingungen im Osten sind sehr gut. Das hat sich herumgesprochen“, kommentierte Wolff die Zahlen. Neben der Image-Kampagne „Studieren in Fernost“ der Hochschulinitiative Neue Bundesländer führt die Ministerin dies auch auf die verstärkten Marketingaktivitäten der ostdeutschen Hochschulen zurück. Die Kampagne „Studieren in Fernost“ habe, ist die Ministerin überzeugt, nicht nur eine mediale Außenwirkung gehabt, sondern auch eine „Mobilisationswirkung nach Innen“. „Sie beflügelte unter anderem den Prozess der Stärkung überregional attraktiver Angebote“, so die Ministerin.

Parallel zum besseren Image erhöhte sich in allen fünf ostdeutschen Flächenländern auch der Anteil westdeutscher Studienanfänger(innen) zwischen dem Wintersemester 2008/09 und dem Wintersemester 2011/12. Besonders deutlich war dies in Sachsen (+150 %) und Sachsen-Anhalt (+128 %) der Fall. Hohe Zuwächse konnten auch Mecklenburg-Vorpommern (+102 %) und Thüringen (+87 %) erzielen. In Brandenburg, wo der Anteil westdeutscher Studienanfänger(innen) bereits 2008 auf hohem Niveau lag, waren die Zuwächse mit vier Prozent entsprechend geringer.

Brandenburg weist mit 45 % weiterhin den höchsten Anteil an westdeutschen Studienanfänger(inne)n auf, gefolgt von Mecklenburg-Vorpommern (38 %), Thüringen (37 %) und Sachsen-Anhalt (35 %). Trotz der deutlichen Steigerung erreicht Sachsen mit 29 % noch nicht das Niveau der anderen Länder.

Ob es allerdings wirklich Gang und Dong, die beiden Leitfiguren der Kampagne waren, die mehr westdeutsche Studis in den – nun nicht mehr ganz so fernen – Osten gelockt haben, oder inwiefern Ausweichstrategien in Zeiten doppelter Abiturjahrgänge sowie der Aussetzung der Wehrpflicht mit entsprechend vollen Hörsälen an den westdeutschen Unis eine Rolle spielen, konnte auch auf der Tagung nicht abschließend geklärt werden. (tm)

Quelle: Hochschulinitiative Neue Bundesländer