Hochschulnachricht
Qualitätsoffensive in der Lehrerbildung beschlossen
24.4.2012
Statt einer Exzellenzinitiative soll es nun eine Qualitätsoffensive in der Lehrerbildung geben. Das mit 500 Millionen Euro ausgestattete Programm könnte möglicherweise bereits im nächsten Jahr starten. Dies beschlossen Bundesbildungsministerin Annette Schavan und die Wissenschaftsminister(innen) der Länder auf der 15. Sitzung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (GWK) vergangenen Freitag in Berlin. Diskutiert wurde auch über eine Aufstockung des Hochschulpakts. Eine Arbeitsgruppe soll Ende des Jahres die Einzelheiten hierzu aushandeln.
„Die Lehrerausbildung muss den Stellenwert bekommen, den sie verdient. Dazu braucht sie einen eigenen Ort an der Hochschule und darf nicht nur fünftes Rad am Wagen sein“, sagte Schavan heute anlässlich der Vorstellung einer neuen Studie über Bildungsziele und Bildungsaufgaben aus Sicht der Lehrer und der Bevölkerung. Die Studie kommt u. a. zu dem Ergebnis, dass sich die Hälfte aller Lehrerinnen und Lehrer durch das Studium nur unzureichend auf ihre Arbeit vorbereitet fühlt. „Ich möchte, dass die Besten und Engagiertesten eines Jahrgangs Lehrer werden“, betonte die Ministerin. Die nun von der GWK beschlossene Qualitätsoffensive in der Lehrerbildung soll dabei helfen, die Qualität der Lehrerausbildung zu verbessern und ihre Stellung an den Hochschulen zu stärken. Über zehn Jahre hinweg sollen mit insgesamt 500 Millionen Euro innovative Entwicklungen im Lehramtsstudium gefördert werden. Die 120 Hochschulen, die in Deutschland Lehrer(innen) ausbilden, können sich um die Mittel bewerben. Entgegen eines von Sachsen eingebrachten Vorschlags wird das Programm nicht wie die Exzellenzinitiative in der Forschung „Leuchttürme“ fördern, sondern soll in der Breite wirken und den regionalen Proporz berücksichtigen. Ihre Zustimmung zu dem Programm machte Schavan allerdings nach Informationen der FAZ davon abhängig, dass mit der Initiative auch die innerdeutsche Mobilität und die Anerkennung von Studiengängen und Ausbildungsabschlüssen in der Lehrerbildung zwischen den Bundesländern gefördert wird. „Der Lehramtsausbildung muss überall ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, damit sie bestmöglich auf eine der wichtigsten Aufgaben vorbereitet, die es gibt: die Erziehung und Bildung von Kindern und Jugendlichen“, so Schavan.
Die stellvertretende GWK-Vorsitzende Doris Ahnen machte deutlich, dass den angehenden Lehrer(inne)n auch mehr Zeit für das Sammeln von Praxiserfahrungen während des Studiums eingeräumt werden solle. Die rheinland-pfälzische Kultusministerin hofft zudem, dass die Qualitätsoffensive die Umsetzung von Inklusion an den Schulen vorantreiben helfen könne. Ungeklärt ist bislang die Frage, ob und in welcher Höhe die Länder einen finanziellen Beitrag zu dem Programm leisten werden. Eine Bund-Länder-Staatssekretärs-Arbeitsgruppe soll im Laufe des nächsten halben Jahres Vorschläge zur konkreten Ausgestaltung der Initiative erarbeiten, über die die GWK dann im November abstimmen will.
Thema der 15. GWK-Sitzung war darüber hinaus eine mögliche Erhöhung der Mittel für den Hochschulpakt 2020. Angesichts anhaltend hoher Studienanfängerzahlen bekundeten Bund und Länder ihre Bereitschaft, den Pakt bei Bedarf aufzustocken. Eine Arbeitsgruppe soll nach Vorlage der neuen Studienanfängerzahlen für das Wintersemester 2013/14 durch das Statistische Bundesamt im Dezember einen Vorschlag aushandeln. Schavan bezeichnete den Pakt als Erfolgsgeschichte. Bund und Länder müssten jedoch angesichts des erfreulichen Anfängerbooms verlässliche Partner sein. Damit nahm die zugleich die Länder in die Pflicht. Zuvor war bekannt geworden, dass in den vergangenen sechs Jahren seit Beginn des Hochschulpakts nicht alle Länder ihre Ausgaben für die Hochschulen entsprechend den gestiegenen Studienanfängerzahlen erhöht hatten. „Das zusätzliche Geld des Bundes darf nicht zu einer Senkung der Landeszuschüsse für die Hochschulen führen“, ermahnte die Bundesministerin ihre Länderkolleg(inn)en.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zeigte sich „erleichtert, dass Bund und Länder den Handlungsbedarf für eine Aufstockung des Hochschulpakts anerkannt und die Bereitschaft signalisiert haben, entsprechende Mittel bereitzustellen.“ „Bund und Länder müssen an einem Strang ziehen und dabei auch neue Formen der Zusammenarbeit erwägen“, erklärte die scheidende HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. Die SPD bezeichnete das Signal der GWK als „richtig“, wies allerdings auf die ungeklärten Finanzierungsfragen hin. „Woher soll ausreichend Geld kommen?“, fragte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Swen Schulz. Er betonte, die Einigung müsse schnell kommen, damit Hochschulen und Studienbewerber(innen) Planungssicherheit und ausreichend Zeit für die Umsetzung hätten. Kritisch äußerte sich der Hochschulexperte der Grünen, Kai Gehring. Er sprach von einem „Armutszeugnis“. „Mit der Zusage, Ende 2012 zu überprüfen, ob für die Jahre 2014 und 2015 ein Mehrbedarf besteht, ist die Bundesministerin nur knapp an einer Blamage vorbeigeschrammt“, meint Gehring. Der Hochschulpakt muss seiner Ansicht nach verdoppelt werden. „Die Zeit drängt – schon im nächsten Jahr drohen die Pakt-Mittel erschöpft zu sein“, ist Gehring überzeugt. Schavan bezeichnete die Vorwürfe im Deutschlandradio als „Quatsch“. Es gebe ein Konzept und einen Zeitplan und man werde auf die Entwicklungen, sobald sie absehbar seien, eine vernünftige Antwort geben. Zugleich teile sie die Auffassung, „dass in den nächsten Jahren erhebliche Anstrengungen notwendig sind, um die großen Aufgaben, die die Hochschulen durch die hohen Studienanfängerzahlen haben, auch bewältigen zu können.“ (tm)
Quellen: dpa, ZWD, FAZ, dradio, GWK, BMBF, HRK
