Hochschulnachricht
Fünf Universitäten steigen in den Kreis der „Exzellenz-Hochschulen“ auf
18.6.2012
Am Freitag fiel in Bonn die mit Spannung erwartete Entscheidung in der zweiten Programmphase der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern. 45 Graduiertenschulen, 43 Exzellenzcluster und 11 Zukunftskonzepte werden in den nächsten fünf Jahren mit insgesamt 2,7 Milliarden Euro gefördert. Die Humboldt-Universität zu Berlin, die TU Dresden sowie die Universitäten Bremen, Köln und Tübingen steigen neu in den Kreis der sogenannten „Exzellenz-Hochschulen“ auf. Ihren Elitestatus behalten die beiden Münchner Universitäten, die FU Berlin, die Universitäten Konstanz und Heidelberg sowie die RWTH Aachen. Das KIT in Karlsruhe und die Universitäten in Freiburg und Göttingen konnten die Gutachter(innen) diesmal nicht überzeugen und mussten den begehrten Titel wieder abgeben.
Zum ersten Mal mussten sich Neuanträge dem Wettbewerb mit Fortsetzungsanträgen aus der 2005 gestarteten ersten Programmphase der Exzellenzinitiative stellen. Insgesamt lagen den Gutachterteams 143 Anträge von 46 Universitäten vor, darunter 84 bereits geförderte Einrichtungen und 59 Bewerbungen von Einrichtungen, die erstmalig an dem Wettbewerb teilnahmen.
Voraussetzung für die Förderung eines Zukunftskonzepts – es hat sich durchgesetzt, hier von „Exzellenz-Unis“ zu sprechen – ist die Bewilligung mindestens eines Exzellenzclusters und einer Graduiertenschule an der jeweiligen Universität. Mit der Universität Dresden gelang dies zum ersten Mal einer Hochschule aus den neuen Bundesländern. Überraschend kam für die meisten Beobachter(innen) das Abschneiden des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Es konnte zwar zwei Graduiertenschulen einwerben, bekam aber kein Forschungscluster zugesprochen. Das KIT steht aufgrund seines Modells der Zusammenarbeit von universitärer und außeruniversitärer Forschung besonders stark im Fokus wissenschaftspolitischer Debatten. Der scheidende Präsident des KIT, Horst Hippler, sprach von einem „herben Rückschlag“. Ebenfalls nicht durchsetzen konnten sich die Zukunftskonzepte der Universitäten Bochum und Mainz.
Bundesbildungsministerin Annette Schavan würdigte die Erfolge der Exzellenzinitiative. Der Wettbewerb habe „einen großen Schub“ für das deutsche Wissenschaftssystem gebracht. Er habe zu einer stärkeren internationalen Sichtbarkeit der deutschen Hochschulen beigetragen. „Unser Wissenschaftssystem wird heute weltweit sehr geschätzt und übt eine große Anziehungskraft aus“, sagte Schavan bei der Vorstellung der Ergebnisse. Die Exzellenzinitiative habe die Hochschullandschaft insgesamt verändert, Kreativität ausgelöst und zu einer Kultur der Kooperation geführt, so die Ministerin. Schavan warb für den von ihrem Ministerium erarbeiteten Gesetzentwurf zur Abschaffung des Kooperationsverbots zwischen Bund und Ländern im Wissenschaftsbereich. Dieser sei auch im Hinblick auf das Auslaufen der Exzellenzinitiative im Jahr 2017 vom Kabinett beschlossen worden. Schavan plädierte außerdem dafür, alle jetzt erstmalig erfolgreichen Projekte ebenfalls zehn Jahre lang zu fördern – im Falle einer positiven Evaluation also bis 2022. „Das ist ein Gebot der Gerechtigkeit im Vergleich zu denen, die von Anfang an dabei waren.“ Bislang ist vorgesehen, dass die Förderung 2017 ausläuft.
Matthias Kleiner, der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die gemeinsam mit dem Wissenschaftsrat (WR) für die Durchführung der Exzellenzinitiative verantwortlich ist, sagte, der Wettbewerb habe den Forschungsstandort international erheblich gestärkt. Die bewilligten Projekte stammten von mehr als einem Drittel der deutschen Universitäten. „Das zeigt, dass Spitzenforschung in Deutschland breit und vielfältig aufgestellt ist“, sagte Kleiner. Beeindruckend sei die hohe Qualität der eingereichten Anträge, von denen etwa 70 % bewilligt wurden. „Die Fortsetzer hatten die Latte sehr hoch gehängt, aber die Neuantragsteller können damit durchaus Schritt halten“, meinte auch Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates. Aufgrund der hohen Qualität der eingereichten Anträge in allen drei Förderlinien habe man sich dazu entschlossen, die beantragten Budgets nicht in voller Höhe zu bewilligen, um insgesamt mehr Anträge fördern zu können.
Der neu gewählte Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, gratulierte den erfolgreichen Hochschulen. Er wies jedoch zugleich darauf hin, dass die positiven Effekte der Exzellenzinitiative langfristig gesichert werden müssten. Die Bewilligungsentscheidungen seien vielfach sehr knapp gefallen, so dass sich viele hochinteressante Vorhaben aufgrund der starken Konkurrenz und der begrenzten Fördermittel nicht hätten durchsetzen können. Hier müssten andere Fördermöglichkeiten gefunden werden, damit auch diese Vorhaben umgesetzt werden könnten. Daneben dürften aber auch die im Exzellenzwettbewerb erfolgreichen Hochschulen nach Auslaufen der Förderung nicht „mit unlösbaren Problemen bei der Weiterführung ihrer Projekte“ allein gelassen werden, forderte Hippler. Die Politik müsse den Hochschulen die Sorge nehmen, dass eine mangelnde Personal- und Finanzausstattung die bislang weniger wettbewerbsfähigen Hochschulen immer weiter schwäche.
Für eine „sinnvolle Weiterentwicklung der Initiative über 2017 hinaus“ sprach sich auch der bildungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Ernst Dieter Rossmann, aus. Die prekäre Grundfinanzierung bleibe der größte Hemmschuh für eine positive Entwicklung der Hochschulen. Ohne eine breite und gute Basis trockne jede Spitze aus. Diese Ansicht teilt auch die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Krista Sager. Die Nachhaltigkeit der Initiative sei nicht sichergestellt, denn die Länder könnten sich eine Anschlussfinanzierung nach 2015 aufgrund des Inkrafttretens der Schuldenbremse nicht leisten. Die starke Fokussierung auf die dritte Förderlinie der „Exzellenz-Hochschulen“ laufe an den drängendsten Problemen des deutschen Wissenschaftssystems vorbei. Dazu zählten neben der schlechten Grundfinanzierung auch eine ungünstige Personalstruktur an den Hochschulen und unattraktive Perspektiven für den wissenschaftlichen Nachwuchs. „Damit sind deutsche Universitäten im Wettbewerb um die besten Köpfe schlecht aufgestellt“, lautet das Fazit von Sager.
Auf problematische Beschäftigungsbedingungen und mangelnde Berufsperspektiven im Wissenschaftsbereich wiesen auch die Gewerkschaften Verdi und GEW hin. „Exzellente Wissenschaft und gute Arbeit sind zwei Seiten einer Medaille“, betonte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Keller kritisierte vor allem die starke Ausweitung befristeter Beschäftigungsverhältnisse im Zuge der Exzellenzinitiative. Dabei hätten die meisten Zeitverträge eine Laufzeit von unter einem Jahr. Die Juso-Hochschulgruppen forderten, statt einer Förderung von Elite den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Lehre und der Betreuungsverhältnisse zu legen. „Durch die Exzellenzinitiative wird versucht, flächendeckende Finanzierungsprobleme im Wissenschaftsbereich durch Spitzenförderung zu verdecken“, meint auch Salome Adam vom freien zusammenschluss von studentInnenschaften (fzs). Durch die Exzellenzinitiative werde kein einziger Studienplatz geschaffen. Dabei könne man mit den 2,7 Milliarden Euro „über 90.000 Menschen ein komplettes Studium ermöglichen, das sie momentan nicht einmal beginnen dürfen“, hat Adam ausgerechnet. (tm)
Quellen: DFG/WR, dpa, ZWD, BMBF, HRK
Die Entscheidungen in der 2. Programmphase der Exzellenzinitiative im Überblick
