Hochschulnachricht
Immer weniger Habilitationen
21.6.2012
1.563 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben im Jahr 2011 ihre Habilitation erfolgreich abgeschlossen. Dies teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. Ihre Zahl sank damit im Vergleich zum Vorjahr um 11 %. Die Statistiker führen dies teilweise auf die Einführung der Juniorprofessur zurück. Jede vierte Habilitation wurde von einer Frau abgelegt. Der Frauenanteil ist damit seit dem Jahr 2000 um sieben Prozentpunkte angestiegen.
Verglichen mit dem Jahr 2002, als die Zahl der Habilitationen ihren Höchststand erreicht hatte (2.302), schlossen 2011 sogar ein Drittel weniger Wissenschaftler(innen) ihre Habilitation erfolgreich ab. Nach Ansicht des Statistischen Bundesamtes lässt sich ein Teil des Rückgangs mit der Einführung der Juniorprofessur als alternativem Qualifizierungsweg erklären. So gab es 2002 102 Juniorprofessuren, 2010 waren es bereits 1.236. Die Gesamtzahl der hauptberuflichen Professor(inn)en – einschließlich Juniorprofessuren – stieg im gleichen Zeitraum um zehn Prozent von 37.861 auf 41.462.
Mehr als zwei Drittel (1.090) der Habilitierten waren zum Zeitpunkt der Habilitation an einer Hochschule beschäftigt. Die meisten Habilitationsverfahren (799) wurden in der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften abgeschlossen. Es folgen die Fächergruppen Sprach- und Kulturwissenschaften (268), Mathematik und Naturwissenschaften (257) sowie Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (114).
Jede vierte Habilitation wurde 2011 von einer Frau abgeschlossen. Der Frauenanteil an den Habilitationen stieg von 24,9 % im Jahr 2010 auf 25,5 % im Jahr 2011. Im Vergleich zum Jahr 2000 erhöhte er sich um mehr als sieben Prozentpunkte. In den Sprach- und Kulturwissenschaften war der Frauenanteil 2011 mit 42,9 % am höchsten. Im Vergleich zum Vorjahr konnte zudem eine Steigerung um rund sechs Prozentpunkte verbucht werden. In den Fächergruppen Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften sank der Anteil habilitierter Wissenschaftlerinnen um mehr als sieben Prozentpunkte auf 19,3 %, in der Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften reduzierte er sich um viereinhalb Prozentpunkte auf 15,2 %. In der Fächergruppe Humanmedizin/Gesundheitswissenschaften erhöhte sich der Frauenanteil leicht auf 22,3 %.
Das Professorinnenprogramm von Bund und Ländern hat das Ziel, die Zahl der Professorinnen an den deutschen Hochschulen zu erhöhen. Auf einer Tagung in Berlin wurde Anfang der Woche zum Ende der ersten Programmphase Bilanz gezogen. Insgesamt wurden seit 2008 260 Professorinnen im Rahmen des Programms auf unbefristete W2- und W3-Professuren berufen. Bund und Länder finanzierten das Programm in den vergangenen vier Jahren gemeinsam mit 150 Millionen Euro. Staatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen lobte, das Programm trage zum notwendigen Kulturwandel an den Hochschulen bei und habe eine breite Diskussion über Gleichstellung in Gang gesetzt. „Aber wir dürfen uns jetzt keinesfalls zufrieden zurücklehnen“, mahnte Quennet-Thielen. Der Anteil der Frauen an den Professuren sei noch lange nicht hoch genug. (tm)
Quellen: Destatis, BMBF
