Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtHochschulen in Bremen und Berlin sind besonders international

26.6.2012

In Bremen und Berlin sind die Hochschulen besonders international aufgestellt. Das ist das Ergebnis des neuen Länderchecks des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft. Die beiden Stadtstaaten erreichen in allen untersuchten Kategorien sehr gute Werte. Noch nicht so weit fortgeschritten sind die Internationalisierungsbemühungen demnach in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz.

Anhand von 20 Indikatoren untersucht der aktuelle Ländercheck die internationale Zusammensetzung der Studierenden, Lehrenden und Forschenden, die Beteiligung an internationalen Austauschprogrammen und die Internationalität der Forschung. Die Hochschulen der beiden Stadtstaaten Bremen und Berlin schneiden dabei mit Abstand am besten ab. Dafür verantwortlich ist nicht zuletzt auch das große Angebot an internationalen Studiengängen der dortigen Hochschulen. Ebenfalls zur Spitzengruppen gehören Brandenburg und Sachsen. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz erreichen hingegen bei fast allen Indikatoren nur die hinteren Ränge.

Nach den Analysen des Stifterverbands scheinen sich die verschiedenen Aspekte von Internationalität auf dem Campus wechselseitig zu befördern. Ein gutes Abschneiden in einer Kategorie geht fast immer mit Erfolgen in den anderen Bereichen von Internationalisierung einher. Die einzige Ausnahme ist Baden-Württemberg, das bei der Internationalität der Forschung sehr gute Ergebnisse erzielt, hinsichtlich der Attraktivität für internationale Studierende jedoch nur im Mittelfeld liegt.

Gemessen hat der Stifterverband auch die Veränderungsraten für die jeweiligen Indikatoren. Im Ergebnis konnten insbesondere beim internationalen Austausch von Studierenden und Forscher(inne)n in den letzten Jahren bundesweit gute Fortschritte erzielt werden. Handlungsbedarf sehen die Autor(inn)en des Länderchecks allerdings bei der Internationalisierung des Personals und beim Übergang von ausländischen Absolvent(inn)en in den deutschen Arbeitsmarkt. „Hier sollte die nächste Stufe der Internationalisierung der Hochschulen ansetzen“, empfahl Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands, anlässlich der Vorstellung der Studie.

Während in Berlin etwa jede(r) zehnte Professor(in) aus dem Ausland kommt, sind es in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt lediglich rund drei Prozent aller Professor(inn)en. Nach Ansicht des Stifterverbands sollten die Internationalisierungsbemühungen aber auch das Leitungspersonal umfassen. Eine Studie der Beratungsfirma Egon Zehnder hat ergeben, dass nur jedes fünfte Mitglied der Führungsgremien der untersuchten forschungsstarken deutschen Universitäten mindestens zwei Jahre seiner Karriere im Ausland verbracht hat. Andere Länder sind hier deutlich internationaler aufgestellt. So weisen in Österreich und der Schweiz über 80 % der Hochschulleitenden entsprechende internationale Erfahrung auf.

Bei den ausländischen Hochschulabsolvent(inn)en schneidet das Saarland besonders gut ab: Über ein Viertel aller saarländischen Absolvent(inn)en hat die Hochschulzugangsberechtigung im Ausland erworben. Überdurchschnittliche Ergebnisse erzielen auch in dieser Kategorie Bremen und Berlin, unterdurchschnittlich schneiden Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Schleswig-Holstein ab. Nach Ansicht des Stifterverbands stellen die Bildungsausländer(innen) ein wichtiges Potenzial dar, um einem möglichen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Hierzu müssten den ausländischen Absolvent(inn)en nach Beendigung des Studiums attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten in Deutschland angeboten werden. Außerdem müsse der Studienerfolg in dieser Gruppe gesteigert werden. Gegenwärtig brechen überdurchschnittlich viele ausländische Studierende ihr Studium an einer deutschen Hochschule ab. Die Autor(inn)en des Länderchecks plädieren daher für eine Verbesserung der Betreuungsangebote.

Meyer-Guckel sprach sich bei der Vorstellung der Studie zugleich für die Einführung von Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Ländern aus: „Unsere Berechnungen zeigen: Die Einführung von Studiengebühren für Studierende aus Nicht-EU-Staaten besitzt ein enormes Potenzial zur Finanzierung der Hochschulen in Deutschland“, so der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbands. Bei gleichbleibender Zahl an internationalen Studierenden und jährlichen Gebühren von 10.000 Euro, könnten die deutschen Hochschulen demzufolge Einnahmen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro generieren. Dies entspricht in etwa dem Betrag, den die Hochschulen durch allgemeine Studiengebühren vor deren Abschaffung in den meisten Ländern eingenommen hatten. Das Fazit des Stifterverbands: „Auch unter der Annahme, dass ein Teil der internationalen Studierenden nach Einführung von Studiengebühren nicht mehr in Deutschland studieren würde, liegt in einem angemessenen Finanzierungsbeitrag dieser Studierendengruppe ein enormes Potential, die Studienbedingungen von internationalen und einheimischen Studierenden nachhaltig zu verbessern.“ (tm)

Quelle: Stifterverband

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