Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtBraucht die deutsche Wissensgesellschaft einen Wissens-Cent?

3.7.2012

Was kann man jenseits der Exzellenzinitiative für die Lehre und die Basis an den Hochschulen tun? Prof. Dr.-Ing. Matthias Kleiner, 57, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), scheidet Ende 2012 turnusmäßig aus dem Amt. Vom 2. bis 4. Juli wählen die Mitglieder der DFG in Dortmund einen Nachfolger für Kleiner. Ideen für den Wissenschaftsbetrieb hat der scheidende Präsident aber nach wie vor auf Lager: Er fordert die Deutschen auf, in der Wissensgesellschaft einen Wissens-Cent abzugeben.

In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung am Montag sagte Kleiner, für eine wirklich gute Grundausstattung der Hochschulen fehlten jährlich rund fünf Milliarden Euro. Die Exzellenzinitiative, mit der Bund und Länder die Forschung fördern, decke nur ein Zehntel dieses Defizits ab.

Kleiner im Interview mit den Bildungs-Redakteuren der Süddeutschen Zeitung: "Wir müssen die Länder in die Lage versetzen, ihren verfassungsgemäßen Aufgaben nachzukommen. Wenn wir das Wort von der Bildungsrepublik ernst nehmen, könnte ich mir auch vorstellen, dazu etwa die Mehrwertsteuer zu erhöhen. Wir hatten einst den Kohlepfennig als Aufschlag auf den Strompreis. Warum sollten wir heute in der Wissensgesellschaft nicht einen Bildungspfennig einführen, genauer gesagt einen Wissens-Cent? Hier ist schließlich der entscheidende Rohstoff, auf dem unsere Gesellschaft und Wirtschaft aufbaut."

Den oft geäußerten Vorwurf, dass das Geld aus der Elite-Förderung nicht bei den Studenten ankomme, ließ Kleiner nicht gelten: "Durch die Exzellenzinitiative wurden personelle Ressourcen ausgebaut, die auch der Lehre dienen", sagte er. "Wir wollen keine nicht forschenden Lehrer und keine nicht lehrenden Forscher." Kleiner findet es nicht problematisch, dass zahlreiche Wissenschaftler für das Förderprogramm voluminöse Anträge verfassen mussten, die viel Zeit gekostet haben. "Für mich war Antragsschreiben immer Kerngeschäft meiner Forschertätigkeit", sagte er. Es helfe dabei, Ideen und Konzepte zu Papier zu bringen und jede Einrichtung könne davon profitieren - "egal ob man am Ende gefördert wird oder nicht".

Neben den Steuerzahlern sollten sich auch die Studenten stärker daran beteiligen, die Löcher in der Hochschulfinanzierung zu stopfen. "Im Prinzip wäre es richtig und wichtig, Studienbeiträge zu haben", sagte Kleiner. "Angesichts der guten materiellen Situation nach einer akademischen Ausbildung kann man auch eine moderate Beteiligung der Nutznießer erwarten." Allerdings müsse es dann auch ein gutes Stipendiensystem geben, das sicherstelle, dass sozial Schwache nicht vom Studium abgehalten werden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online