Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtZahl ausländischer Ingenieure und Ärzte steigt

31.7.2012

Nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die Zahl der Ingenieurinnen und Ingenieure aus einem Nicht-EU-Staat, die in Deutschland eine Arbeitserlaubnis erhalten haben, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Auch bei den Ärzt(inn)en ist der Trend positiv. Beide Berufsgruppen profitieren seit dem Sommer 2011 von erleichterten Zugangsregelungen für den deutschen Arbeitsmarkt. Diese werden ab Mittwoch auf 60 weitere Berufe ausgedehnt. Dann tritt die neue Blue Card in Kraft.

Während 2010 gerade einmal 349 Ingenieurinnen und Ingenieure aus einem Land außerhalb der Europäischen Union eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhielten, waren es 2011 bereits 1.385. Ihre Anzahl hat sich damit fast vervierfacht. Dies berichtet die Süddeutsche Zeitung (SZ) unter Berufung auf statistische Auswertungen der Bundesagentur für Arbeit (BA). Demnach stieg auch die Anzahl der ausländischen Medizinerinnen und Mediziner, die zum Arbeiten nach Deutschland kamen, im Vergleich zu 2010 um etwa die Hälfte auf 1.351. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker begrüßte die Entwicklung gegenüber der SZ: „Vor allem der Anstieg bei den Ingenieuren ist erfreulich“, so Becker.

Im Juni 2011 war für ausländische Fachkräfte mit einem Hochschulabschluss in Humanmedizin oder in den ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen Maschinen- und Fahrzeugbau sowie Elektrotechnik die sogenannte Vorrangprüfung weggefallen. Arbeitgeber müssen nun nicht mehr nachweisen, dass sie keine(n) geeignete(n) Bewerber(in) aus der EU für die Stelle gefunden haben.

Dass der positive Trend anzuhalten scheint, zeigen die jüngsten Daten der BA für das Jahr 2012: 921 Ingenieurinnen und Ingenieure aus Nicht-EU-Staaten erhielten zwischen Januar und Juni eine Arbeitserlaubnis. 2011 waren es im gleichen Zeitraum unmittelbar vor dem Wegfall der Vorrangprüfung 549 weniger. Auch bei den Ärzt(inn)en gibt es weitere Zuwächse, allerdings in geringerem Ausmaß.

Mit dem Inkrafttreten der Blue Card zum 01.08.2012 werden die Zugangsregelungen zum deutschen Arbeitsmarkt für Fachkräfte aus 60 weiteren Berufsgruppen erleichtert. Betroffen sind vor allem ausländische Akademiker(innen) mit einem Hochschulabschluss in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, wie die SZ meldet. Auch für sie entfällt künftig die Vorrangprüfung. Sie erhalten ein zunächst auf drei Jahre befristetes Aufenthaltsrecht, das in eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung überführt werden kann. Bei Nachweis guter Deutschkenntnisse kann dies schon nach zwei Jahren erfolgen.

Familienmitglieder der auf diesem Weg angeworbenen Fachkräfte profitieren ebenfalls von einer Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis. Die ausländischen Arbeitnehmer(innen) müssen ein Jahresgehalt von mindestens 44.800 Euro vorweisen können. Für bestimmte Berufe wie Ingenieure, Ärzte oder IT-Fachkräfte, in denen ein besonderer Mangel an Fachkräften erwartet wird, wurde die Einkommensschwelle auf 35.000 Euro abgesenkt. Bislang lag sie bei 66.000 Euro. Ausländische Studierende erhalten nach Abschluss des Studiums in Deutschland künftig 18 Monate Zeit, um einen Job zu suchen.

Mit der Blue Card setzt Deutschland mit einem Jahr Verspätung die Hochqualifizierten-Richtlinie der Europäischen Union um. BA-Vorstandsmitglied Becker lobt in der SZ die Ausweitung der Regelungen auf die Familienmitglieder: „Das ist ein Stück Willkommenskultur: Die Integration der ganzen Familie wird erleichtert.“ Er erwartet, dass in diesem Jahr rund 6.000 ausländische Akademiker(innen) mit der Blue Card nach Deutschland kommen werden. (tm)

Quelle: SZ