Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtNeue Förderinitiative will Lehrerbildung in die Mitte der Universitäten zurückholen

3.8.2012

Die Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer fristet an den Universitäten häufig ein Schattendasein. Eine neue Förderinitiative des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft und der Heinz Nixdorf Stiftung will dies ändern. Die Lehrerbildung soll in die Mitte der Universitäten (zurück-)geholt und zu einem profilbildenden Element in der Hochschulentwicklung werden. Zu diesem Zweck können drei Universitäten mit jeweils 500.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert werden. Eine Bewerbung ist noch bis Ende November möglich.

Die Förderinitiative will die Lehrerbildung an den Hochschulen stärken und damit auch die Attraktivität des Lehrerberufs steigern. Zwar gebe es eine Reihe von Einzelmaßnahmen zur Verbesserung der Lehrerausbildung, es fehle aber eine Bündelung und Verdichtung der Maßnahmen zu einer übergreifenden Strategie, so die Diagnose von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung in der Ausschreibung des Programms. Eine derartige Strategie solle über die Lehreraus- und -weiterbildung hinauswirken und Impulse für die Hochschulentwicklung insgesamt geben.

Eine Hochschule, die sich bereits auf den Weg gemacht hat, ist die TU München. Sie hat mit der School of Education eine eigene Fakultät für die Lehrerbildung geschaffen. Ein systematisches Praktikumskonzept, die enge Kooperation mit Partnerschulen, die Abstimmung der Curricula zwischen Fachwissenschaften und Fachdidaktiken sowie ein koordiniertes Zulassungs- und Auswahlverfahren prägen die Ausbildung an der TUM School of Education. Dekan Prof. Manfred Prenzel weist im Interview mit dem Stifterverband auf die entscheidende Rolle der Lehrkräfte hin: „Von ihrer Begeisterung, von ihrem sozialen Geschick und von ihrem didaktischen Können hängt es ab, ob sich die Schüler mit den Fächern anfreunden können.“ Die Forschung in den Fachwissenschaften, den Fachdidaktiken und den Bildungswissenschaften müsse die Basis für eine starke Lehrerbildung sein. Lehrerinnen und Lehrer müssten heute eine Vielzahl von Aufgaben bewältigen: „Lehrkräfte müssen nicht nur den Stoff und die fachlichen Hintergründe beherrschen, sondern Experten für das Lernen und Lehren sein. Sie müssen Lernvoraussetzungen und -fortschritte diagnostizieren, Lernumgebungen planen und gestalten, Lernprozesse begleiten.“ Dabei dürften sie nicht als Einzelkämpfer agieren, sondern müssten sich als Kollegium zusammenfinden. Auf all diese Anforderungen sei die Lehrerbildung auszurichten. „Nicht zuletzt sind Lehrkräfte immer als ganze Person gefordert: Sie müssen auf Menschen zugehen und sich in Kinder einfühlen können, den richtigen Ton treffen, sie müssen aufgeschlossen und belastbar sein, brauchen Geduld und gute Laune.“

Die anspruchsvolle Aufgabe, solche „Experten für das Lernen und Lehren“ auszubilden, soll an den Hochschulen wieder den ihr gebührenden Stellenwert erhalten; das ist das Anliegen von Stifterverband und Heinz Nixdorf Stiftung. Noch bis Ende November können sich lehrerausbildende Universitäten einschließlich der Kunst- und Musikhochschulen, der Deutschen Sporthochschule und theologischen Hochschulen für das Förderprogramm bewerben. Nicht antragsberechtigt sind die Pädagogischen Hochschulen, deren Studienangebot ausschließlich lehrerbildende Studiengänge beinhaltet. Bis zum Frühjahr 2013 werden die strategischen Konzepte zur Weiterentwicklung der Lehrerbildung von drei Universitäten ausgewählt. Diese erhalten jeweils 500.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren, um ihr Konzept umzusetzen. Mit den ausgewählten Hochschulen werden individuelle Zielvereinbarungen geschlossen, in denen konkrete Benchmarks und Meilensteine definiert sind. Die Zahlung des Preisgeldes erfolgt in zwei Raten, wobei die zweite Rate nur im Falle einer positiven Zwischenbegutachtung ausgezahlt wird. (tm)

Quelle: Stifterverband

Zur Ausschreibung der Lehrer-Förderinitiative