Hochschulnachricht
Umtriebige Erfinder: Steigende Erfindungsmeldungen an deutschen Hochschulen
10.8.2012
Seit der Abschaffung des sogenannten „Hochschullehrer-Privilegs“ im Jahr 2002 steigen die Erfindungsmeldungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften an. Besonders aktiv sind in den Naturwissenschaften die Erfinderinnen und Erfinder in Sachsen, Thüringen, Hessen und Rheinland-Pfalz/Saarland. In den Ingenieurwissenschaften haben Niedersachsen/Bremen, Berlin, Rheinland-Pfalz/Saarland, Baden-Württemberg und Bayern die Nase vorn. Dies ergaben Auswertungen des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE), das die Erfindungsmeldungen als Indikator in seinem Hochschulranking einsetzt.
Seit 2002 müssen Hochschullehrende alle Erfindungen, die sie während ihrer Dienstzeit machen, bei ihrer Hochschule melden. Diese entscheidet dann über die weitere Nutzung wie z. B. eine patentrechtliche Verwertung. Seitdem haben die Hochschulen einen Überblick über die Erfindungsfreudigkeit ihres Personals und zugleich einen weiteren Indikator zur Beurteilung der Anwendungsorientierung ihrer Forschung. Das CHE bezieht die Zahl der Erfindungsmeldungen in den Natur- und Ingenieurwissenschaften neben bibliometrischen Indikatoren, den Promotionszahlen und den eingeworbenen Drittmitteln als Kennzahl für die Forschungsstärke von Hochschulen in sein Ranking mit ein. In einer Sonderauswertung hat CHE-Mitarbeiterin Isabel Roessler die Entwicklung der Erfindungsmeldungen über die letzten Jahre hinweg untersucht.
In den Naturwissenschaften flossen Angaben aus den Fächern Physik, Chemie, Biologie und Pharmazie ein; in den Ingenieurwissenschaften konnten mit der Elektro- und Informationstechnik sowie dem Maschinenbau nur zwei Fächer für die Analyse berücksichtigt werden. In den Naturwissenschaften stiegen die Erfindungsmeldungen pro 10 Wissenschaftler(inne)n von 0,57 im ersten Erhebungszeitraum (2002-2004) auf 0,78 im Erhebungszeitraum 2008-2010. Den stärksten Anstieg kann die Pharmazie verbuchen, die die Zahl der Erfindungsmeldungen pro 10 Wissenschaftler(inne)n um mehr als die Hälfte steigern konnte. Eher gering fällt das Wachstum dagegen in der Biologie aus (+21 %).
In absoluten Zahlen kommen die meisten Erfindungen in den Naturwissenschaften aus Bayern; es folgt mit deutlichem Abstand Nordrhein-Westfalen. Die relative Entwicklung, bei der die Größenunterschiede und unterschiedlichen Personalkapazitäten in den Ländern berücksichtigt werden, zeichnet ein anderes Bild: So wurden die meisten Erfindungen je 10 Wissenschaftler(inne)n aus Sachsen, Thüringen, Rheinland-Pfalz/Saarland und Hessen gemeldet. Verhältnismäßig wenige Meldungen pro 10 Wissenschaftler(inne)n gab es in Hamburg/Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt.
In den ingenieurwissenschaftlichen Fächern werden deutlich mehr Erfindungen gemeldet als in den Naturwissenschaften. Daneben ist auch hier ein Anstieg festzustellen: von 1,15 Erfindungsmeldungen pro 10 Wissenschaftler(inne)n im Erhebungszeitraum 2003-2005 auf 1,27 im Erhebungszeitraum 2006-2008. Während im Maschinenbau das Niveau lediglich gehalten werden konnte, verzeichnete die Elektro- und Informationstechnik einen Zuwachs von 17 %.
Auch in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern stammen die in absoluten Zahlen meisten Erfindungen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen. Bei der relativen Betrachtung liegen allerdings Niedersachsen/Bremen, Berlin, Rheinland-Pfalz/Saarland, Baden-Württemberg und Bayern vorn. Nordrhein-Westfalen bildet mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt die Schlussgruppe.
Trotz der positiven Dynamik verbleibt die Zahl der Erfindungsmeldungen an den deutschen Hochschulen im internationalen Vergleich allerdings auf niedrigem Niveau. (tm)
Quelle: CHE
