Hochschulnachricht
Wissenschaftskommunikation im Web 2.0
4.9.2012
Das Web 2.0 hat unsere Art zu kommunizieren verändert. Mittlerweile haben die verschiedenen sozialen Netzwerke auch Eingang in die Wissenschaftskommunikation gefunden. Facebook, Twitter, Blogs u. a. ermöglichen es Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen, neue Nutzergruppen anzusprechen und die Verbreitung ihrer Ergebnisse zu erhöhen. Die Präsenz im Web 2.0 ist allerdings ohne Ressourcenaufwand nicht zu haben. Und es gilt, bestimmte Regeln zu beachten. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellt in einer zweiteiligen Podcastreihe gelungene Beispiele von Wissenschaftskommunikation im Web 2.0 vor.
Fiorina Schulz, die die Abteilung Web Communications an der TU München leitet, erläutert in der ersten Folge der Podcastreihe „Social Media in der Wissenschaftskommunikation“ die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Social Media-Auftritt: Das A und O sei der Content. Um für Nutzer(innen) attraktiv zu sein, müssten interessante Inhalte angeboten werden, die an die Zielgruppe und das jeweilige Medium angepasst seien. Am Anfang stehe also immer die Frage, wen man mit welchen Themen erreichen wolle und könne.
In den sozialen Netzwerken richtet sich die Aufmerksamkeit auf andere Inhalte, als dies bei traditionellen Kanälen der Fall ist, wie Antje Eichler, Online-Redakteurin der Universität Trier an einem Beispiel illustriert. So wurde im Google+-Auftritt der Hochschule das Thema „Der erste Schnee auf dem Campus“ deutlich mehr beachtet und kommentiert als Forschungsergebnisse der einzelnen Fakultäten. Social Media darf und soll Spaß machen. Auch sprachlich müssen die Meldungen auf die zumeist junge Zielgruppe ausgerichtet sein.
Social Media lebt vom Dialog. Besonders wichtig sei daher, so Fiorina Schulz, dass man schnell antwortfähig sei. Kommunikation im Web 2.0 erfordert folglich einen gewissen Aufwand. Nicht nur muss man selbst regelmäßig Inhalte erstellen und auf Nutzerkommentare Feedback geben; nützlich ist darüber hinaus, für die eigene Zielgruppe interessante Inhalte anderer Institutionen zu verbreiten, damit diese mit den Informationen der eigenen Institution ebenso verfahren. Experten schätzen, dass pro sozialem Netzwerk bis zu zwei Stunden Arbeitszeit am Tag investiert werden muss, um einen Mehrwert zu generieren. Marc Scheloske, Social-Media-Experte im Bereich Wissenschaftskommunikation, warnt vor der Hoffnung auf schnellen Erfolg. Social Media brauche einen langen Atem: „Twitter wie auch andere Social-Media-Formate sind keine Kanäle, die sich innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen so erfolgreich hochziehen lassen, dass man dann schon sagen könnte: Ja, das ist der Erfolg, den wir uns vorgestellt haben. Man braucht da einige Monate oder auch ein, zwei Jahre dazu.“ Die meisten Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben daher eigenes Personal für ihr Engagement im Web 2.0 eingestellt, bei den größeren gibt es eigene Abteilungen für die Social-Media-Aktivitäten.
So hat die TU München beispielsweise erst in diesem Jahr die Abteilung Web Communications gegründet, die von Schulz geleitet wird und die alle Social-Media-Aktivitäten der Hochschule koordiniert. Schulz sagt, die Beschäftigung mit dem Web 2.0 erfordere ein Gespür für die Community. Daneben müsse man in der Lage sein, sich mit der sich ständig wandelnden Technologie auseinanderzusetzen. Schulz ist mit dem bisher Erreichten zufrieden. Der Facebook-Auftritt der TU München hat bereits mehr als 16.000 „Gefällt mir“-Klicks. Mit einem breiten Themenspektrum – Hinweise auf Veranstaltungstermine, Neues aus dem Campusleben, Meldungen aus der Wissenschaft, Informationen zu Fördermöglichkeiten u. a. – versucht Schulz, die verschiedenen Zielgruppen von studieninteressierten Schüler(inne)n, über Studierende, Alumni und Alumnae bis hin zu Wissenschaftler(inne)n, Förderern und Unternehmen anzusprechen.
Rund die Hälfte der etwa 400 deutschen Hochschulen ist beim Mikroblogging-Dienst Twitter aktiv, hat Marc Scheloske in seiner Studie herausgefunden. Allerdings variiere das jeweilige Engagement sehr stark. Während einige Hochschulen mehrere Tweets pro Tag sendeten, beschränkten sich andere auf eine Meldung pro Monat. Auch inhaltlich gebe es große Unterschiede, weiß Scheloske, der mehrere tausend Tweets von Hochschulen ausgewertet hat. Nur ein Bruchteil der twitternden Hochschulen steige in einen echten Dialog mit den Nutzerinnen und Nutzern ein.
Eine weitere Möglichkeit, Wissenschaftsthemen in die breite Öffentlichkeit zu kommunizieren, ist das Blog. Viel gelesen ist das Blog des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Claudia Garád, Leiterin Marketing und Kommunikation beim IAO, hat aus der Not eine Tugend gemacht: „Eine Herausforderung bei unserem Webauftritt ist, dass wir ein sehr heterogenes Institut sind mit sehr vielen verschiedenen Forschungsthemen. Und da ist immer die Frage, wie man das darstellen kann, ohne dass man sich endlos durch Navigationsleisten durchklicken muss.“ Das IAO-Blog – „ein Schaufenster unserer gesamten Forschungstätigkeit“ – sei da der „Appetitanreger“, der einen Einstieg in die Themen bieten und „Lust auf Mehr“ machen solle. Jede(r) Mitarbeiter(in) des IAO dürfe bloggen. Im Vorfeld werde ein Blog-Coaching angeboten, bei dem Tipps für das Schreiben von Blogbeiträgen sowie die wichtigsten Regeln im Umgang mit diesem Informationskanal vermittelt würden. Einige Blogeinträge werden durch Videos unterstützt.
Schon etwas länger im Einsatz, aber weiterhin beliebt sind Audio- und Video-Podcasts. Ihnen widmet der Stifterverband die zweite Folge der Podcastreihe. Die seit 2010 erscheinenden Raumzeit-Podcasts der europäischen Weltraumbehörde (ESA) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) wurden bereits über eine Million mal downgeloadet. Ein dazugehöriges Blog ermöglicht den Austausch mit den Hörerinnen und Hörern der Sendungen, die jeweils etwa eineinhalb Stunden dauern.
Auf ein kürzeres Format setzt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit dem DFG Science TV. In dreiminütigen Kurzfilmen soll die Welt der Wissenschaft möglichst authentisch und anschaulich dargestellt werden. Die Forscherinnen und Forscher filmen ihre Arbeit daher selbst. Erst in der Postproduktion wird das Rohmaterial dann professionell bearbeitet und zum Film zusammengesetzt. Auch der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft operiert mit Audio- und Video-Formaten. Viele Webseiten seien noch immer zu textlastig, findet Michael Sonnabend, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit beim Stifterverband. „Web-Videos wirken belebend und sind einfach zu konsumieren.“ In seiner Reihe webTV bereitet der Stifterverband aktuelle Themen über ausführliche Interviews mit verschiedenen Gesprächspartner(inne)n aus der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Politik und den Medien auf. Wichtig sei das offensive Bewerben der Videos, sagt Sonnabend. Der Stifterverband hat seine Videos daher sogar unter Creative-Commons-Lizenz gestellt: Weiterverbreitung ausdrücklich erwünscht! (tm)
Quelle: Stifterverband
Zur Podcastreihe 'Social Media in der Wissenschaftskommunikation'
