Hochschulnachricht
„Gläserne Decke“ für Frauen in Wissenschaft und Forschung weiterhin real
21.9.2012
„Das wissenschaftliche Potenzial von Forscherinnen wird nach wie vor nicht ausgeschöpft.“ So lautet das Fazit der 16. Fortschreibung des Datenmaterials zu Frauen in Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen, welche die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) von Bund und Ländern in dieser Woche vorgelegt hat. Viel hat sich getan, viel bleibt zu tun. Insbesondere auf den höheren Ebenen des Wissenschaftssystems sind Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Im Berichtsjahr 2010 stellten Frauen rund die Hälfte aller Studienanfänger(innen). Etwa 48 % aller Studierenden waren weiblich und mehr als die Hälfte aller Studienabschlüsse (52 %) wurden von Frauen erreicht. Des Weiteren entfielen 44 % der Promotionen auf Frauen. Auf den weiteren Stufen des Wissenschaftssystems nimmt die Beteiligung von Frauen dann jedoch rapide ab: Nur jede vierte Habilitation wurde 2010 von einer Frau abgeschlossen und vier von fünf Professuren waren von Männern besetzt. „Frauen verlassen also nach wie vor überproportional häufig am Ende des Studiums oder nach erfolgter Promotion den wissenschaftlichen Karriereweg“, stellt der GWK-Bericht fest.
Dabei hat sich seit Beginn der Datenerhebungen 1992 viel getan: Der Anteil der Frauen unter den Studienanfänger(inne)n ist von 43,3 % auf 49,5 % gestiegen. Bei den Studienabschlüssen erhöhte sich der Frauenanteil von 39,6 % auf 51,8 % und damit um mehr als zwölf Prozentpunkte. Am positivsten hat sich die Situation bei den Promotionen entwickelt: Während 1992 nur 28,9 % der Promotionen von Frauen abgelegt wurden, waren es 2010 bereits 44,1 %. Deutliche Steigerungen gab es auch bei den Habilitationen und den Professuren, jedoch auf erheblich niedrigerem Niveau: Bei den Habilitationen erhöhte sich der Frauenanteil von 12,9 % auf 24,9 %. Unter den Professor(inn)en waren 1992 lediglich 6,5 % weiblich, acht Jahre später 19,2 %.
Ein genauerer Blick auf die Professuren zeigt allerdings, dass je nach Besoldungsgruppe deutliche Unterschiede bestehen. Generell gilt: Je höher die Besoldungsgruppe, desto niedriger der Frauenanteil. Nach den Auswertungen der GWK lag der Anteil der Frauen an den W1-Professuren (Juniorprofessuren) 2010 bei 37,8 %, an den C2-Professuren bei 21,1 %, an den C3/W2-Professuren bei 20,1 % und an den C4/W3-Professuren bei 14,6 %.
Der GWK-Bericht analysiert auch die Lage an den außeruniversitären Forschungseinrichtungen. In die Auswertungen einbezogen wurden die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und die Leibniz-Gemeinschaft. Sie konnten zwischen 1992 und 2010 den Anteil von Frauen in Führungspositionen von 2% auf 12 % steigern, bleiben damit jedoch weiterhin deutlich hinter den Hochschulen zurück. Den niedrigsten Frauenanteil in Führungspositionen hat die Fraunhofer-Gesellschaft mit 3,2 %. Es folgen die Helmholtz-Gemeinschaft mit 10 %, die Leibniz-Gemeinschaft mit 12,5 % und die Max-Planck-Gesellschaft mit 19 %.
Zusammenfassend zeige das Datenmaterial, so die GWK, dass es weiterhin besonderer Bemühungen in der forschungs- und wissenschaftsorientierten Frauenförderung bedürfe. Beispielhaft wird auf die Gleichstellungsstandards der DFG, das Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder sowie den Beschluss der GWK zur Festlegung flexibler Zielquoten in den Forschungsorganisationen verwiesen. Die GWK betont aber auch, dass für eine Erhöhung des Frauenanteils in Spitzenpositionen in Wissenschaft und Forschung eine familienfreundliche Unternehmens- und Wissenschaftskultur, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, gezielte Förderung von Frauen auf den darunterliegenden Qualifikationsstufen und mehr wissenschaftliche Selbstständigkeit im Mittelbau erforderlich seien. (tm)
Quelle: GWK
Download des GWK-Berichts zur Chancengleichheit in Wissenschaft und Forschung
