Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtGerman U15: Forschungsstarke Universitäten gründen Bündnis

16.10.2012

TU 9, UAS7 – und jetzt U15. Immer wieder schließen sich Hochschulen mit ähnlicher Interessenlage zusammen, um ihren Anliegen gemeinsam mehr Gehör zu verschaffen. Letzten Freitag wurde in Berlin die jüngste Neugründung vorgestellt: German U15 vereint 15 große forschungsorientierte Universitäten mit medizinischer Fakultät. Ihr Ziel ist es, die Bedingungen für Wissenschaft, Forschung und Lehre zu verbessern und die gesellschaftliche Bedeutung ihres Wirkens sichtbarer zu machen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan zeigte sich erfreut über den Zusammenschluss. Eliteforscher Michael Hartmann sieht das Rennen um immer knappere Mittel eröffnet.

„Nicht erst die Exzellenzinitiative hat gezeigt, dass es die Hochschulen nicht gibt“, sagte Bernhard Eitel, Rektor der Universität Heidelberg und Vorsitzender der U15, am Freitag in Berlin, dem Sitz des Vereins. „Hochschulen haben unterschiedliche Aufgaben, Potentiale und Kompetenzen in einer arbeitsteiligen deutschen Wissensgesellschaft. Die U15 fordern daher, in Gesetzgebungsverfahren, bei Aufgabenverteilungen und mit Blick auf Förderinstrumente diese Arbeitsteilung in den Blick zu nehmen.“ Dabei gelte es, die Potentiale der verschiedenen Hochschularten bestmöglich zum Wohle des Bildungsstandorts Deutschland zu nutzen. Der stellvertretende U15-Vorsitzende und Präsident der Freien Universität Berlin, Peter-André Alt, betonte, die U15 verstünden sich als Forschungsuniversitäten, in denen Forschung und Lehre eine untrennbare Einheit bildeten. Voraussetzungen dafür seien akademische Freiheit und Autonomie der Universität. „Die U15 treten ein für starke Grundlagenforschung und eine damit verbundene forschungsgeleitete Lehre, die verantwortungsvolle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heranbildet“, führte Alt aus.

Die U15 – zu denen die Freie Universität Berlin, die Humboldt-Universität zu Berlin, die Universitäten Bonn, Frankfurt, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Heidelberg, Köln, Leipzig und Mainz, die Ludwigs-Maximilian-Universität München und die Universitäten Münster, Tübingen und Würzburg gehören – haben mehrere Themenfelder und Aufgaben identifiziert, denen sie sich widmen wollen. Dazu gehört die Hochschulfinanzierung: Die U15 setzen sich für eine Aufhebung des Kooperationsverbots noch in dieser Legislaturperiode ein. Dies sei zum einen aufgrund der steigenden Studierendenzahlen notwendig, die vor allem für fachlich breit aufgestellte Standorte eine „besondere Herausforderung“ darstellten, wie der Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, Jan-Hendrik Olbertz, feststellt: „Die Studierendenzahlen erreichen so langsam eine Größe, die für die Universitäten gefährlich wird.“ Darüber hinaus machen sich die in den U15 assoziierten Universitäten aber auch Gedanken über die Zeit nach Auslaufen der Exzellenzinitiative. 13 von ihnen werden mit ihrem Zukunftskonzept gefördert – gehören also zu den sogenannten „Exzellenz-Unis“. Sie fordern Lösungen für den „Fortgang der Exzellenzfinanzierung“.

Ein weiteres Themenfeld ist der wissenschaftliche Nachwuchs. „Der akademischen Nachwuchsförderung als Mittel der Zukunftssicherung für Deutschland und Europa gilt höchste Priorität“, unterstrich Alt. Die U15 fordern verbesserte Karrierechancen für Nachwuchswissenschaftler(innen) durch die Einführung eines Tenure Track-Systems in Deutschland. Außerdem soll die gemeinsame Nachwuchsförderung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen intensiviert werden.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan begrüßte die Gründung des Vereins: „Dieser Zusammenschluss stärkt die Stimme der Wissenschaft international“, wird Schavan in der Süddeutschen Zeitung zitiert. Eliteforscher Michael Hartmann von der TU Darmstadt vergleicht die U15 im Interview mit Studis Online mit der britischen Russell-Group und den Grandes Écoles in Frankreich: „Hier organisiert sich eine kleine Gruppe von besonders durchsetzungsfähigen Universitäten, um bei der Verteilung der knappen Hochschulmittel möglichst viel für sich herauszuholen. Man will einfach einen größeren Teil vom Kuchen abbekommen“, meint Hartmann. Zukünftig geht er von einer stärkeren Differenzierung des Hochschulsystems in Deutschland aus: Neben forschungsstarken Universitäten einerseits würden auf der anderen Seite am Ende der Entwicklung möglicherweise reine Ausbildungshochschulen ohne Forschung stehen. (tm)

Quelle: U15, SZ, Studis online