Hochschulnachricht

Symbolbild für NachrichtSchweiz: Deutschland soll für seine Studierenden zahlen

31.10.2012

In einem Positionspapier beklagen die Schweizer Universitäten die Kosten, die ihnen durch Studierende aus dem Ausland entstehen. Die meisten von ihnen kommen aus Deutschland. Deutschland solle sich daher durch eine Abgeltungsvereinbarung an den Kosten für die Ausbildung seiner Studierenden an Schweizer Hochschulen beteiligen. Der Staatssekretär für Bildung und Forschung, Mauro Dell`Ambrogio, denkt in eine ähnliche Richtung und hat hierzu bereits erste Gespräche in Berlin geführt. Diskutiert wird daneben auch ein regionales Ausgleichssystem, für das es bereits erfolgreich praktizierte Beispiele gibt.

Es sei zwar erstrebenswert, ausländische Studierende an den Universitäten zu haben, betont der Präsident der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten, Antonio Loprieno, in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ), um gleich einen Einwand hinterherzuschicken: „Sie verursachen zusätzliche Kosten, ohne dass sie speziell finanziert werden.“

In der Schweiz erfolgt die Hochschulfinanzierung über die Interkantonale Universitätsvereinbarung (IUV). Der Herkunftskanton eines bzw. einer Studierenden bezahlt an den Trägerkanton der Universität, an welcher der bzw. die Studierende das Studium aufnimmt, einen Pauschalbetrag. Dieser variiert je nach studiertem Fach. Beispielsweise überweist der Kanton Thurgau für eine(n) Studierende(n) der Geisteswissenschaften gegenwärtig etwa 10.000 Franken an den Kanton, in dem der bzw. die Studierende immatrikuliert ist. Für ein Medizinstudium sind es 49.000 Franken. Dieses Abgeltungssystem gilt allerdings nur für Schweizer Studierende. „Für die ausländischen Studierenden gibt es keine Beiträge“, erläutert Loprieno. Die Kosten müssten die Universitäten selbst tragen.

Er fordert daher von der Schweizer Bundesregierung, dass sie Verhandlungen mit den Herkunftsländern aufnimmt. Vordringlich sei ein Abkommen mit Deutschland, woher der größte Teil der ausländischen Studierenden stamme. „So ein Abgeltungssystem mit dem Ausland könnte gleich funktionieren wie der interkantonale Ausgleich“, meint Loprieno. „Da eine Lösung auf europäischer Ebene derzeit wenig realistisch ist, wäre ein bilaterales Abkommen mit Deutschland als wichtigstem Herkunftsland der Studenten die beste Lösung.“ Auch Österreich denke über ein solches Abkommen mit dem deutschen Nachbarn nach, weiß der Rektoren-Präsident, der mit dem österreichischen Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle befreundet ist. Von den rund 35.000 ausländischen Studierenden an Schweizer Hochschulen kommen ca. 29 % aus Deutschland. Es folgen als wichtige Herkunftsländer Frankreich (12 %), Italien (10 %) und Österreich (3 %).

Beim Schweizer Staatssekretär für Bildung und Forschung, Mauro Dell`Ambrogio, stößt Loprieno mit seiner Forderung auf offene Ohren. „Das Schweizer Modell könnte sicher auch international funktionieren“, glaubt Dell`Ambrogio. Er hat daher bereits im vergangenen Jahr erste „informelle exploratorische“ Gespräche in Berlin zu dem Thema geführt. Er zweifelt jedoch an der politischen Machbarkeit. Da mehr Deutsche in der Schweiz studierten als umgekehrt, müsste Deutschland mehr Geld zahlen, als es erhalten würde. Deutschland sei somit Nettozahler und sein Interesse an einer derartigen Lösung daher vermutlich gering.

Alternativ hatten die Schweizer Studierendenschaften (VSS) vor einem Jahr die Idee eines regionalen Ausgleichsmechanismus entwickelt. Sie wurde vom Nationalrat Gerhard Pfister von der Christlichdemokratischen Volkspartei (CVP) aufgegriffen. „Ich finde, die Regionen, die Studenten in die Schweiz schicken, sollen dafür auch bezahlen“, sagt Pfister. Ein regionaler Ansatz passe besser zu den föderalen Strukturen der Schweiz. „Die Schweiz könnte nach dem Modell des interkantonalen Ausgleichs ein Konkordat mit einem wichtigen Bundesland – etwa Bayern – vereinbaren und dann das System ausweiten“, lautet sein Vorschlag. Im Blick hat er dabei möglicherweise das Modell des Grenzkantons Thurgau, wo es eine ähnliche Vereinbarung bereits gibt. „Gut funktioniert die Vereinbarung im Bereich Lehrerausbildung“, erläutert die Regierungsrätin des Kantons Thurgau und Bildungsdirektorin, Monika Knill, von der Schweizerischen Volkspartei (SVP). „Wir nehmen deutsche Studenten an der Pädagogischen Hochschule Thurgau auf, dafür haben Thurgauer Studenten die Möglichkeit, an der Universität Konstanz zu studieren. Diese Lösung funktioniert auch finanziell sehr gut“, ergänzt Knill.

Von deutscher Seite gibt es bislang noch keine offiziellen Verlautbarungen zu den Schweizer Plänen. (tm)

Quellen: NZZ, dpa