Hochschulnachricht
Welche Rolle spielt Deutsch als Wissenschaftssprache?
2.9.2011
In der Wissenschaft ist die deutsche Sprache auf dem Rückzug. Nur ein Prozent der naturwissenschaftlichen Publikationen werden auf Deutsch veröffentlicht. Immer mehr wissenschaftliche Tagungen in Deutschland und Seminare an deutschen Hochschulen werden auf Englisch abgehalten. Welche Rolle kann Deutsch als Wissenschaftssprache da noch spielen? Diese Frage stellen sich das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst und das Institut für Deutsche Sprache.
Englisch gilt auch in den Wissenschaften mittlerweile als Lingua franca. Der Vorteil scheint auf der Hand zu liegen: Weltweit können sich Forscherinnen und Forscher in einer gemeinsamen Sprache über ihre Ergebnisse und Methoden austauschen. In Deutschland ist insbesondere in den Natur- und technischen Wissenschaften sowie in der Medizin das Englische als Arbeitssprache nicht mehr wegzudenken. Gleichzeitig gilt das Deutsche in anderen Disziplinen wie der Philosophie noch immer als bedeutende Wissenschaftssprache. Noch ist Deutsch zudem international anerkannte Publikationssprache in vielen Geistes- und Sozialwissenschaften. Aber wird dies so bleiben, wenn der sogenannte Impact Factor weiterhin eine so wichtige Rolle für Renommee und Finanzierung in den Wissenschaften spielt, hier aber englischsprachige Publikationen klar im Vorteil sind?
Welche Rolle kann das Deutsche als Wissenschaftssprache zukünftig noch spielen? Wie wird die deutschsprachige Wissenschaft im internationalen Kontext wahrgenommen? Welche Bedeutung hat die Sprache der Wissenschaft für die Gesellschaft? Was passiert, wenn Wissenschaftler eine andere Sprache sprechen als die Menschen um sie herum? Diese Fragen stellen sich das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) und das Institut für Deutsche Sprache (IDS) unter dem Motto „Deutsch in den Wissenschaften – Deutsch schafft Wissen“.
Die beteiligten Institutionen vertreten dabei das Prinzip der „akademischen Mehrsprachigkeit“. Ziel der Internationalisierung in den Wissenschaften ist es demzufolge, dass sich eine mehrsprachige Wissensgemeinschaft herausbildet, die einerseits das Englische als Lingua franca in den Wissenschaften beherrscht und somit an der weltweiten Fachkommunikation teilhaben kann; die andererseits aber auch die eigene Sprache nicht aufgibt, sondern in dieser Sprache so erfolgreich arbeitet, dass ausländische Kolleg(inn)en und Nachwuchswissenschaftler(innen) sich diese aneignen wollen. Doch wie lässt sich eine so gedachte Mehrsprachigkeit in Forschung und Lehre umsetzen?
All diese Fragen wollen das Goethe-Institut, der DAAD und das IDS mit Interessierten vom 10.-12. November 2011 auf einer Konferenz in Essen diskutieren. Versucht werden soll eine „Positionsbestimmung der gegenwärtigen und zukünftigen Rolle und Bedeutung der deutschen Sprache im wissenschaftlichen Kontext“.
Parallel dazu findet, gefördert vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, ein Kreativwettbewerb statt. Gesucht werden Ideen, die die Beziehungen zwischen der deutschen Sprache und den Wissenschaften in Bilder fassen. Diese können in Form von grafischen Skizzen, Werbesprüchen, Plakatentwürfen o. Ä. eingereicht werden. Die prämierten Entwürfe sollen anschließend weltweit medial eingesetzt werden. Auf den Gewinner bzw. die Gewinnerin warten ein Preisgeld von 3.000 Euro sowie die Reise zur Preisverleihung in Essen. Der zweite und dritte Platz ist mit jeweils 1.000 Euro dotiert. (tab)
Quelle: GI
