9. Jahrgang - Nr. 1 / Februar 2002

Prüfergeld - Sinn oder Unsinn?

Jedes Jahr um dieselbe Zeit zum Ende des Sommers zieht eine dunkle schwarze Wolke, die aus lauter kleinen Wortfetzen wie Geld, Prüfer, Abrechnung, Auszahlung... besteht, auf und prasselt mit einer unglaublichen Wucht Anfang Oktober auf uns nieder.

Sucht man Hochschulen, die das Leid mit einem teilen, bekanntlich ist ja geteiltes Leid halbes Leid, wünscht man sich schnell, man hätte nicht gesucht, denn man hört niederschmetternde Argumente oder wird in besondere Dialoge verwickelt...

Prüfergeldabrechnung an Fachhochschulen: "Wie, an der Uni gibt´s da extra Geld dafür?" Prüfergeldabrechnung in den neuen Bundesländern: "Oh je, Sie Arme, wir haben so was gleich gar nicht eingeführt."

Tja, und selbst in den alten Bundesländern scheint das berühmte Nord-Süd-Gefälle zum Tragen zu kommen. Es wurde teilweise schon abgeschafft, oder man ist gerade dabei, es abzuschaffen. Bleiben nur noch Bayern und Baden-Württemberg?

So hat es sich mancherorts zugetragen:

Prüfer A: Drei Vordiplomprüfungen mündlich, 20 Diplomprüfungen schriftlich und drei Gutachten Diplomarbeit. Leider hat Prüfer A die Universität vor vier Monaten verlassen, so dass nun die Detektivarbeit beginnt. Wie lautet seine Adresse? Wie seine Bankverbindung? Nach ca. 20 Telefonaten und drei Tagen hat man ihn dann an der Strippe. "Wie, da krieg ich noch 60,50 DM? Oh, hm, versteuern muss ich sie auch noch, ja Gott, hoffentlich vergess ich das dann nicht."

Prüfer B: Zwei Vordiplomprüfungen schriftlich, jeweils 400 Teilnehmer, Auszahlungsbetrag 800,00 DM. "Ja, also soviel Geld, nun die Arbeit hatten ja aber eigentlich die wissenschaftlichen Hilfskräfte, die haben zwar nach meinem Notenschlüssel gearbeitet, aber die haben korrigiert."

Prüfer C: Aufgrund eines Forschungssemesters nur eine Diplomprüfung mündlich 8,50 DM. Immerhin: bis der Auszahlungsbeleg erstellt ist, zur Auszahlung weitergeleitet ist, ausbezahlt ist! Ich mag gar nicht dran denken, was das kostet.

Aber vielleicht ist das auch gar nicht der Sinn der Sache, dass man darüber nachdenkt.

Nähere Auskünfte

Christiane Westhauser (Universität Ulm,
Dez. Studium und Lehre)
(0731) 50 - 22057

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