8. Jahrgang - Nr. 2 / Juli 2001

Signaturbasierte Online-Anwendungen für Studierende im Bremer MEDIA@Komm-Projekt

Die Freie Hansestadt Bremen ging im Jahr 1999 als eine von drei Siegern aus dem bundesweiten "MEDIA@Komm Städtewettbewerb Multimedia" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie hervor. Im Anschluss an den Wettbewerb wird seitdem in den Siegerstädten die komfortable und bürgerfreundliche Nutzung von elektronischen Verwaltungsdienstleistungen in einer Vielzahl von Anwendungsfällen konzipiert und realisiert.
In Bremen sorgt dafür das als Public-Private-Partnership gegründete Unternehmen bremen online services GmbH & Co. KG (bos). Mit der Erstellung eines dv-technischen Feinkonzepts für die Anwendungen an Universität und Hochschulen hat bos die Hanseatische Software-Entwicklungs- und Consulting GmbH (HEC) und die Siemens Business Services GmbH & Co. OHG (SBS) beauftragt. Um die Anbindung an die Fachverfahren der Hochschulverwaltungen sicherzustellen, wurde mit HIS ein Kooperationsvertrag geschlossen.

Als einzige Siegerstadt entwickelt Bremen derzeit sichere und komfortable elektronische Dienstleistungen für Studierende. Wer an der Universität Bremen, der Hochschule Bremen oder der Hochschule Bremerhaven eingeschrieben ist, wird typische Geschäftsvorfälle aus der Studierenden- und Prüfungsverwaltung orts- und zeitunabhängig über das Internet abwickeln können. Lange Wartezeiten und Anträge in Papierform werden auf diese Weise reduziert, Studierende und Hochschulverwaltungen entlastet. Die Anwendungen werden als Selbstbedienungsfunktionen realisiert und über entsprechende Schnittstellen automatisiert mit den HIS-Systemen an den Hochschulen kommunizieren.

Die Besonderheit des Bremer Projekts ist, dass alle Transaktionen von Studierenden und Hochschulen digital signiert sein werden. Die digitale Signatur ist das elektronische Pendant zur händischen Unterschrift und dieser seit kurzem rechtlich gleichgestellt. Alle Standard-SmartCards der von der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post zugelassenen Trustcenter sollen zur Signierung akzeptiert werden. Dies hat gegenüber hochschuleigenen, proprietären Chipkartenlösungen einen wesentlichen Vorteil: Die Studierenden der Bremer Hochschulen werden ihre Signaturkarten auch für beliebige andere Anwendungen außerhalb der Hochschulen einsetzen können. Beispielsweise wird in Bremen gerade eine Vielzahl von Verwaltungsdienstleistungen über Internet verfügbar und mit Signaturkarte ausführbar gemacht.

Im September 2000 hat bremen online services, bos, die weltweit ersten Online-Dienstleistungen präsentiert, die auf der elektronischen Signatur aufbauen und gleichzeitig die Bezahlung mit der Geldkarte über das Internet ermöglichen. Noch in diesem Jahr wird die Entwicklung der ersten Version des Protokollstandards Online Services Computer Interface (OSCI™) für Online-Transaktionen von Wirtschaft und Verwaltung abgeschlossen. Damit Online-Dienste wirtschaftlich und sicher angeboten werden können, entwickelt bremen online services eine technische Plattform, die Transaktionen zwischen Bürgern und Dienstleistern abwickelt. Auf diese Weise können Hochschulen und andere Dienstleister die für ihre Angebote erforderlichen Sicherheits- und Servicefeatures (z.B. Zertifikatsprüfung, Zeitstempeldienste, Payment) bedarfsgerecht in Anspruch nehmen und müssen die dafür erforderliche aufwändige Infrastruktur nicht selbst vorhalten.

In nächster Zeit werden folgende Angebote realisiert:

  • Mitteilung einer Adressänderung,
  • Ausdruck von Immatrikulationsbescheinigungen,
  • Beantragung von Urlaubssemestern,
  • Exmatrikulation auf eigenen Antrag,
  • Prüfungsanmeldung und -abmeldung,
  • Ausdruck von Leistungsnachweisen,
  • Einsichtnahme in die elektronische Prüfungsakte,
  • Kommunikation mit dem BAföG-Amt,
  • Kommunikation mit der Wohnheimverwaltung,
  • Bewerbung für zulassungsbeschränkte Studienfächer,
  • Übermittlung von Immatrikulationsdaten,
  • Authentifikation (als übergreifender Prozess).

Das für die Studierenden sichtbare Nutzerinterface und die Logik der Geschäftsvorfälle (Plausibilitätsprüfungen usw.) sollen in signierten Java-Applets bzw. -Applications hinterlegt werden. Alle Kommunikationen zwischen Studierenden und Hochschulen werden im XML-basierten OSCI-Format abgewickelt. Ein erklärtes Projektziel ist es, Änderungen an den bestehenden DV-Systemen weitest möglich zu unterlassen und die Standard-Auslieferungen der HIS-Module (SOS, POS, ZUL, ISY) einzusetzen.

Zur Anbindung der Internet-Anwendungen an die HIS-Systeme werden eine XML-Schnittstelle spezifiziert und die Datenstrukturen für die einzelnen Geschäftsvorfälle modelliert. Die solchermaßen auf größtmögliche Standardisierung und Vereinheitlichung ausgerichteten Produkte können auch an anderen Hochschulen eingesetzt werden. Zur Integration der für das Handling von OSCI-Nachrichten benötigten Funktionalitäten (Signierung, Signaturprüfung, Zertifikatsprüfung, Ver- und Entschlüsselung usw.) wird bos entsprechende Komponenten anbieten, die einmalig auf dem System des jeweiligen Dienstleisters, also etwa dem Server einer Hochschule, installiert werden müssen.

Nähere Auskünfte

Dr. Wilfried Jauer

(bos)
(0421)2049525
www.bos-bremen.de

(Informatik Uni Bremen)
(0421)2184852
www.signatur.uni-bremen.de

(HEC)
(0421)207500
www.hec.de

Ihre Ansprechpartner

Jauer

Dr. Wilfried Jauer
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