8. Jahrgang - Nr. 2 / Juli 2001

Controlling mit HISCOB-GX - Zwei Anwenderhochschulen berichten

Die Technische Universität Dresden und die Hochschule Zittau/Görlitz (FH) haben sich zusammengetan und auf der diesjährigen CeBIT über ihre Erfahrungen mit dem Controllingbaustein HISCOB-GX berichtet.

Neben Aussagen zur Nutzung der Software in den beiden Hochschulen ging es hierbei um die Ergebnisauswertung, die Gegenüberstellung von Kosten und Leistungskennzahlen, um Aussagen, die daraus abgeleitet werden können, letztendlich um die Gewinnung von Führungsinformationen.

Beide Hochschulen setzen das Programm HISCOB-GX seit geraumer Zeit ein. Die TU Dresden hatte in den Jahren 1995 bis 1998 Pionierfunktion. Die Einführungsphase ist also abgeschlossen.

Die drei Säulen Kostenarten-, Kostenstellen- und Kostenträgerrechnung liefern Aussagen zur Kostenstruktur der Hochschulen. Im Rahmen der Leistungsrechnung werden aus Kosten- und Leistungsgrößen verschiedene Kennzahlen gebildet.

Der Foliensatz für den Vortrag, insbesondere die Ergebnisdarstellung, auf die im Weiteren kurz eingegangen werden soll, finden Sie hier

Bezüglich der Kostenartenrechnung ergaben sich an beiden Hochschulen sehr ähnliche Ergebnisse. Die prozentuale Verteilung der großen Kostenblöcke Personalkosten, kalkulatorische Mieten, Sachkosten und Abschreibungen ist an beiden Einrichtungen ähnlich.

Neben den Personalkosten (61 % an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) und 63 % an der Technischen Universität Dresden) bilden die kalkulatorischen Mieten den zweitgrößten Kostenblock (25 % an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) und 18 % an der Technischen Universität Dresden). Die Sachkosten (9 % an der Hochschule Zittau/Görlitz (FH) und 11 % an der Technischen Universität Dresden) sind dagegen weitaus geringer.

Diese Untersuchungen wurden auf Fachbereichsebene sowie in den Strukturen der Verwaltung und den zentralen Einrichtungen durchgeführt.

Die KLR bestätigt die Unterschiede in den Kostenstrukturen der geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen im Vergleich zu den technisch- und naturwissenschaftlichen Studiengängen und damit auch den entsprechenden Lehreinheiten. Es sollten deshalb auch nur diese innerhalb ihrer Gruppen miteinander verglichen und mögliche Schlussfolgerungen abgeleitet werden.

Neben derartigen Untersuchungen sind mit HISCOB-GX natürlich auch weitere Aussagen möglich, wie z.B. der Vergleich von Gebäudeabschreibungen mit den wirklichen Aufwänden für Gebäude und Ausstattungen, wie sie nur in einer Kostenrechnung ermittelt werden können.
Die Technische Universität Dresden stellte diesbezüglich eine krasse Deckungslücke in Höhe von 40 %, bezogen auf die zugewiesenen Haushaltsmittel, fest.

Aber vor allem sind aus der Kostenträgerrechnung, in Verbindung mit einigen Leistungskennziffern, interessante Schlussfolgerungen ableitbar. An der TU Dresden wurde bereits für 4 Semester eine Aufteilung der Kosten auf die Kostenträger Lehre (ca. 52 %) und Forschung/wissenschaftliche Dienst- und Transferleistungen (ca. 48 %) je Fakultät/Fachrichtung vorgenommen. Parallel dazu erfolgte der Aufbau einer quantitativen Leistungserfassung. Dadurch ist es jetzt möglich, Aussagen zu Kosten und Leistungen in Lehre und Forschung zu treffen.

Durch eine höhere, mit Hilfe der KLR erreichte Transparenz werden die Kostenstrukturen eines Studienganges, z.B. durch den Einfluss von Ex- und Importleistungen anderer Lehreinheiten, deutlich. Kostenintensive Fachbereiche "exportieren" Kosten in Studiengänge von Fachbereichen mit möglicherweise niedrigerem Gesamtkostenniveau. Dadurch wird deren kostenrechnerische Bilanz bei der Aussage Kosten pro Studierender beeinflusst.

Die KLR kann für eine Budgetierung herangezogen werden. Zum Aufbau eines solchen Mittelverteilungsmodells mit geeigneten fachspezifischen Kosten- und Leistungsrelationen wurde an der TU Dresden die Arbeitsgruppe "Ergebnisorientierte Selbststeuerung" aus Vertretern der Fachbereiche und der Verwaltung gegründet. Dank der Kostenrechnung sind die Hochschulen nunmehr in der Lage, Kostenzusammenhänge zu erkennen und zu beurteilen. Die Ziele einer Hochschule dürfen jedoch nicht nur anhand von Quantitäten ausgerichtet werden.

Qualität und wissenschaftliche Profilbildung einer Hochschule müssen nach wie vor das Primat haben. Beides sind Faktoren, die parallel zur Kosten- und Leistungsrechnung in naher Zukunft auszubauen sein werden, wenn wir nicht in der sogenannten "McKinsey-Gesellschaft" enden wollen, in der alles ausschließlich nach Kostengesichtspunkten beurteilt wird.

Nähere Auskünfte

Dr. Stefan Kühne, (HTW Zittau/Görlitz) (03583)611-533
Ruby Leuschke, (TU Dresden) (0351)463-1950

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