8. Jahrgang - Nr. 2 / Juli 2001
Tagung der Prüfungsämter
Neue Anforderungen an die Prüfungsverwaltung:
Modularisierte Studiengänge und Diploma Supplement
Wie kann die Prüfungsverwaltung mit den ständigen Neuerungen in den Prüfungs- und Studienordnungen Schritt halten? Diese Frage beschäftigt seit der Novelle des Hochschulrahmengesetzes die Prüfungsämter an deutschen Hochschulen. Einschneidende Veränderungen werden von den Fachbereichen beschlossen, ob und wie die neuen Regelungen umgesetzt werden können, ist dabei nur von geringem Interesse.
HIS hat aufgrund seiner intensiven Kontakte zur Prüfungsverwaltung in den Hochschulen dieses Dilemma erkannt und darauf mit der Gründung des Kompetenzzentrums Prüfungsverwaltung reagiert. Dessen Ziel ist es, die Prüfungsämter bei der Bewältigung der neuen Aufgaben durch Beratung und Koordination zu unterstützen.
Das Kompetenzzentrum hat Anfang März zu einer Tagung eingeladen. Mehr als 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus 40 Hochschulen sind der Einladung gefolgt, um sich über theoretische Grundlagen und technische Lösungsansätze zu informieren und Erfahrungen auszutauschen. Die Themenschwerpunkte der Beiträge und Diskussionen sollen im Folgenden kurz skizziert werden.
Theoretische Grundlagen
Zum Auftakt erläuterte Frau Dr. Meyer (HIS-Kompetenzzentrum) die Grundsätze
von Modularisierung und Leistungspunktsystemen: Modularisierung ist als Umstrukturierung
der Studiengänge in inhaltliche Teilqualifikationen in Verbindung mit studienbegleitenden
Prüfungen und lernaufwandsbezogenen Leistungspunkten gedacht. Damit sollen
eine Stärkung arbeitsmarktrelevanter Qualifikationen, internationale Wettbewerbsfähigkeit
des deutschen Hochschulsystems, Transparenz von Lehre, Lernen und Arbeitsbelastung,
Flexibilität, lebenslanges Lernen und Mobilität der Studierenden bewirkt
werden. Erreicht werden diese Ziele nur dann, wenn die Umstrukturierung auch
als Chance für eine inhaltliche Neuordnung der Studiengänge gesehen
wird. Gelegentlich werden jedoch lediglich neue Begrifflichkeiten auf althergebrachte
Strukturen "gestülpt".
Ein Beispiel für die konzeptionelle und inhaltliche Umsetzung stellte Frau Dr. Hofmann, Projektmanagerin des BLK Verbundprojektes Modularisierung, vor. An der Philosophischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald wurde die Gelegenheit wahrgenommen, das herkömmliche Magisterstudium von Grund auf ("vom Kopf auf die Füße") zu reformieren und ein den Forderungen entsprechendes Bachelor-/Masterstudium anzubieten.
Erfahrungsberichte
Welche Probleme die Neuerungen für die Prüfungsverwaltung mit sich
bringen, legte Frau Wiesner (HIS-Kompetenzzentrum) dar: Zum einen steigt die
Anzahl der zu verwaltenden Prüfungen durch das studienbegleitende Prüfen
und die neuen Abschlüsse enorm an. Zum anderen sind aufgrund von unübersichtlichen
Randbedingungen (wie z.B. Vorgaben von Fächerkombinationen) die Studienpläne
oftmals für alle (!) Beteiligten schwer durchschaubar. Infolge dieser mangelnden
Transparenz wird mehr Beratung von den Prüfungsämtern erwartet. Dies
setzt einen steten Informationsfluss zwischen den Fakultäten sowie zwischen
Fakultäten und Verwaltung voraus.
Dies bestätigte Frau Richter, Leiterin des zentralen Prüfungsamts der Universität Hannover, anhand zahlreicher Beispiele. Frau Dr. Schimpf, Prüfungsamtsleiterin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg berichtete dagegen, dass sie nach anfänglichen Schwierigkeiten inzwischen eher positive Erfahrungen zu verzeichnen hat. Die anschließende rege Diskussion zeigte jedoch, dass dieser Fall eher eine Ausnahme darstellt und eine dezentrale Prüfungsverwaltung nicht unbedingt eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen Fakultät und Prüfungsverwaltung garantiert.
Lösungsansätze
Bei modularisierten Studiengängen noch mit Karteikarten zu arbeiten, ist
nahezu unmöglich. Durch den Einsatz von geeigneter Software kann die Prüfungsverwaltung
entscheidend entlastet werden. Dass HISPOS-GX, die Prüfungssoftware von
HIS, dafür umfangreiche Funktionalität bietet, stellte Frau Wiesner
(HIS-Kompetenzzentrum) vor. Wie unterschiedlich auch immer die Regelungen in
den Prüfungsordnungen aussehen mögen - sie lassen sich mit Hilfe von
HISPOS-GX verwalten, insbesondere auch durch den Einsatz der Selbstbedienungsfunktionen
HISQIS (Modul POS). Wie Herr Dr. Jauer (HIS) berichtete, wurden an der Albert-Ludwigs-Universität
Freiburg bereits gute Erfahrungen gemacht.
Der erhöhte Beratungsbedarf ist Gegenstand eines Projektes der Universität Ulm. Ausgehend von der These, Studierende seien uninformiert und gesetzliche Regelungen wie Prüfungsordnungen fänden nicht die richtige Sprache, um diesen Zustand zu ändern, stellte Prof. Weber, Studiendekan Informatik, das Konzept für ein Studienbegleit- und -assistenzsystem vor. Dieses soll via Internet die vorhandenen Informationen in individuelle, auf die Bedürfnisse des einzelnen Studierenden zugeschnittene Profile umwandeln und in der Sprache der Studierenden aufbereiten.
Diploma Supplement
Den Abschluss der Tagung bildete das Thema Diploma Supplement. Dieser im Zuge
der Internationalisierung eingeführte Zeugniszusatz soll eine bessere Informationsbasis
über den Studiengang als Ergänzung zu den Leistungsdaten der Originalzeugnisse
bieten. Ein Beispielprogramm zu seiner Ausgestaltung stellte Herr Jütte
von der Hochschulrektorenkonferenz vor.
Die Erstellung fremdsprachiger Zeugnisse, wie sie Prüfungsordnungen parallel
zum Diploma Supplement vorsehen, wird ab der nächsten Version von HISPOS-GX
möglich sein.
Fazit
Die Tagung bot als Einführungsveranstaltung in die Thematik neuer Anforderungen
an die Prüfungsverwaltung einen guten Überblick und wurde von allen
Teilnehmenden als großer Erfolg gewertet. Sie kann daher nur der Auftakt
zu einer Reihe weiterer Veranstaltungen sein, in denen einzelne Themen vertiefend
behandelt werden.
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