Gefährdungsbeurteilung an der FU Berlin - FB Humanmedizin/Universitätsklinikum

Mit dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin der FU Berlin wurde erstmals in einem Krankenhausbetrieb das seinerzeit von HIS und einem Hochschularbeitskreis entwickelte Konzept zur Gefährdungsbeurteilung nach dem Arbeitsschutzgesetz erfolgreich umgesetzt.

Für die Tätigkeitsbereiche "Labor", "Werkstatt" und "Büro" wurden - nimmt man standorttypische Gefährdungen und Belastungen aus - die bereits bei der TU Berlin ermittelten Gefährdungs- und Belastungsprofile bestätigt. Andere Profile gab es jedoch für den medizinischen Kernbereich. Hier spielen arbeitsbedingte Belastungen - sie resultieren aus der spezifischen Arbeitsorganisation eines Krankenhausbetriebes - eine erheblich größere Rolle als bei forschungsbezogenen Tätigkeiten. Als Beispiele seien Belastungen durch regelmäßige Dreischicht- und Nachtarbeit, durch Streß oder schweres Heben und Tragen genannt. Zudem schränken die Parameter zunehmender Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen die Handlungsmöglichkeiten des Arbeitsschutzes ein.

HIS hat - wie bereits an der TU Berlin - auch in der FU Berlin eine Vor-Ort-Evaluation der Ergebnisse und des Ermittlungskonzepts vorgenommen. Vier Punkte sind für den Medizinbereich herauszustellen:

  • Die Wahrnehmung von Gefährdungen/Belastungen ist stärker als im Hochschulbereich abhängig von der Personal(-Funktions)-gruppe, die mit der Erhebung betraut ist. Beispiel: Das interne technische Überwachungspersonal in der Röntgendiagnostik stellt die Erfüllung von technischen Normen, das operativ tätige Personal die Arbeitsbelastung durch das Tragen schwerer Röntgenschürzen in den Mittelpunkt.
  • Die systemimmanenten Dauergefährdungen werden häufig nicht mehr als solche erkannt. Beispiel: Die Infektionsgefahr wird im Krankenhausbetrieb nicht mehr als "besondere" Gefahr wahrgenommen, obwohl die gleichzeitige Praxis regelmäßiger Unterweisungen eine solche bestätigt.
  • Die baulichen Mängel werden häufig nicht als Gefährdungen wahrgenommen. Beispiel: Die Quetsch-gefahr durch das Überschlagen von Türen ist ein baulicher Mangel mit Gefährdungspotential; dies ist dem Krankenhauspersonal bekannt - es hat sein Verhalten darauf abgestimmt.
  • Die in der Erhebung verwendete Nomenklatur für Gefährdungen/ Belastungen wird z.T. nicht arbeitsschutzbezogen, sondern "umgangssprachlich" verwendet. Beispiel: "Arbeiten mit Atemschutz" wird auch auf das Tragen eines Mundschutzes, "gefahrgeneigte Alleinarbeit" auf jedwede Form der Alleinarbeit bezogen.

Unabhängig von diesen bei der Evaluation erkannten Defiziten bleibt festzuhalten, daß die eingesetzte Methode des Screening-Konzepts generell geeignet ist, strukturelle Gefährdungen/Belastungen in medizinischen Einrichtungen zu ermitteln und zu beurteilen. Sie bietet dem Fachpersonal für Arbeitssicherheit und Arbeitsmedizin gute Ansatzpunkte für bedarfsgerechte Feinanalysen und Schwerpunktprogramme.

Interessenten am Abschlussbericht wenden sich bitte unmittelbar an Herrn N. Andree, FB Humanmedizin/ Universitätsklinikum Benjamin Franklin, Tel.: 030/8445-2034, E-Mail:

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Joachim Müller

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