Revalidierung der Universität Lüneburg
HIS hatte Universität Lüneburg bei der Validierung gemäß EMAS (EG-Öko-Audit-Verordnung) im Mai 2000 projektmäßig unterstützt und bei den folgenden vereinfachten Umwelterklärungen beratend zur Seite gestanden. Jetzt hat die Universität gemäß dreijährigem Zyklus die erste Revalidierung aus eigener Kraft erreicht. Grund genug, mit der Umweltkoordinatorin, Frau I. Brüggen, dieses Interview zu führen.
Redaktion: Frau Brüggen, die Universität Lüneburg wurde am 19. und 20. Mai von dem unabhängigen Umweltgutachter besucht. Wie lautete sein Urteil über das Umweltmanagement an der Universität?
Brüggen: Der Umweltgutachter war sehr zufrieden. Er stellte die sehr gute Vorbereitung des Audits und umfassende Aufarbeitung des Datenmaterials sowie die offene Prüfungsatmosphäre heraus.
Besonders gelobt hat er die interne Kommunikation über Umweltthemen. Ihm hat gefallen, dass sich der Arbeitskreis Umwelt zu einem Gremium entwickelt hat, in welches das Know-how aus den verschiedenen Einrichtungen einfließt und operativ umgesetzt wird. Außerdem hielt er die Ansprechpartner Umweltschutz in den Fachbereichen und den beiden großen zentralen Einrichtungen als Schnittstelle zwischen dem AK Umwelt und der jeweiligen Einrichtung für außerordentlich wichtig.
Red.: Nach welchen Kriterien haben Sie diese Personen ausgesucht?
B.: Das war sehr unterschiedlich. Zum einen müssen sie offen für die Thematik Umweltmanagement sein und Engagement mitbringen. Und zum anderen war es von Vorteil, wenn diese im Fachbereichsrat vertreten sind.
Red. Gab es auch Kritik?
B: Ja, Herr Hartmann empfahl, ökologische Aspekte bei der Beschaffung mehr zu berücksichtigen. Dieses ist bei uns aber schwierig durchzusetzen, da das Ganze dezentral organisiert ist und wir daher kaum Möglichkeiten haben, steuernd einzugreifen. Wir geben aber immer wieder Empfehlungen. Kritisiert wurde auch, dass noch keine Evakuierungsübungen unter Berücksichtigung umweltrelevanter Ereignisse durchgeführt wurden. Diese Empfehlung hat unser Audit ebenso hervorgebracht und wir hatten sie ohnehin als Maßnahme in unser Umweltprogramm 2003 aufgenommen.
Red.: Hat Sie im Zuge der Revalidierung auch etwas überrascht?
B.: Ja, da waren zwei Sachen. Zum einen hat der Umweltgutachter wirklich in Schränken nach Gefahrstoffen gesucht und so nebenbei auch mal eine Sekretärin über unser Umweltmanagementsystem befragt, die nicht als Gesprächspartnerin gelistet war. Und zum anderen war ich überrascht, dass der Umweltgutachter bei seiner Tätigkeit hier auf dem Campus von zwei Mitarbeitern der DAU (Deutsche Akkreditierungs- und Zulassungsgesellschaft für Umweltgutachter mbH (Red.)) begleitet wurde.
Red.: Warum?
B.: Auch die Prüfer werden geprüft. Hierbei geht es um die Qualitätssicherung
bei den Umweltgutachtern.
Red.: Worin bestand Ihre vornehmliche Tätigkeit zur Vorbereitung der Revalidierung?
B.: Ich führte sehr viele Gespräche, aber nicht nur zur konkreten Vorbereitung der Revalidierung. Dann mussten natürlich die vorgeschriebenen Unterlagen vollständig sein. Das ist allerdings relativ einfach, wenn man auf eine vorherige Validierung zurückgreifen kann und laufend seine Unterlagen pflegt. Zum Beispiel müssen die Daten zum Energieverbrauch und zum Abfall fortgeschrieben und Kennzahlen gebildet werden.
Red.: Und die Gespräche ...
B.: Ach ja, die persönlichen Gespräche sind für das "am Laufen halten" das Wichtigste. Ich versuche mit allen zu reden. Die Beschäftigten sind dabei gut erreichbar, die Studierenden weniger. Jedoch kann man diese gut über Seminare einbinden. So wurden in Zusammenarbeit mit Dozenten mehrere Umfragen von Studierenden auf dem Campus durchgeführt und ein Konzept für eine Energieeinspar-Kampagne entwickelt. Mit Papier und Anordnung erreicht man einfach weniger, die Papierflut an der Uni ist eben schon so groß.
Außerdem hat der Vizepräsident alle Akteure, die etwas zu Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz und Notfallvorsorge beitragen zu einer Gruppe "Gesundheitsmanagement" zusammengeführt. Hier fließen dann auch Aspekte von Gesundheit und Umwelt ein. So werde ich demnächst mit dem Hochschulsport eine Veranstaltung zum Thema: "Richtig Lüften - Gesund sein" anbieten.
Red.: In EMAS II sind die indirekten Umwelteinwirkungen zur Bewertung aufgenommen worden. Ist hier ein Konflikt mit der "Freiheit von Forschung und Lehre" vorprogrammiert?
B.: Nein! In unserm Fall nicht. Obwohl ja gerade diese Aspekte für Hochschulen besonders wesentlich sind, hatte Herr Hartmann hiermit kein Problem. Er war zufrieden, dass wir den Aspekt wenigstens problematisiert haben. Scheinbar ist ihm die besondere Organisationsform der Hochschule gut vertraut. Trotzdem wollen wir die indirekten Umweltauswirkungen 2004 explizit in das Umweltprogramm aufnehmen.
Red.: Finden Sie es richtig, nach einem normierten Managementsystem zu arbeiten?
B.: Natürlich. Ich glaube, dass die Verpflichtung, sich kontinuierlich messen zu lassen, die einzige Chance ist, unter den derzeitigen Bedingungen an den Hochschulen, das Thema Umwelt langfristig auf die Tagesordnung zu setzen. Außerdem wird einem tatsächlich bewusst, was man hat; positive Außenwirkung im Raum Lüneburg haben wir auch erzielt. Und schließlich hat dieser Wille der Hochschulleitung für die Schaffung meiner halben Stelle gesorgt.
Red.: Hat sich das auch ausgezahlt? Im Zusammenhang mit der Einführung von normierten Managementverfahren wird nämlich immer gefragt "wie viel kann ich damit sparen?" Haben Sie konkrete Zahlen?
B.: Leider nicht. Aber das ist auch schwer. Die Rahmenbedingungen in dem ständig wechselnden Betrieb lassen kaum Vergleichszahlen zu. Der Energiebedarf ist zum Beispiel in absoluten Zahlen gestiegen, je hauptberuflich Beschäftigtem jedoch gefallen.
Red.: Und was hat die Universität für die Revalidierung gezahlt?
B.: Ungefähr 5.000 Euro für den Gutachter und 720 Euro für die Registrierung bei der IHK.
Red.: Wie geht es jetzt an der Universität Lüneburg mit EMAS weiter?
B.: Wir werden Herrn Hartmann jetzt bereits 2004 wieder im Hause haben. Nach EMAS II müssen die jährlichen Aktualisierungen auch von einem unabhängigen Umweltgutachter geprüft werden. Das dauert aber nur einen Tag.
Ich finde diese jährliche Begutachtung aber nicht so sinnvoll, da mir der Zeitraum zu knapp bemessen erscheint. Ich bin aber überzeugt, dass wir in drei Jahren die erneute Revalidierung meistern. Dann ziehen wir erneut Bilanz.
Red.: Wir wünschen Ihnen dabei viel Erfolg und Danke für das Interview.
Das Interview führte J. Müller (HIS) am 12.09.2003
an der Universität Lüneburg.
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